Pica-Syndrom bei Katzen: Wie gefährlich ist es?

Das Pica-Syndrom bei Katzen kann der Grund sein, wenn Dein Stubentiger seltsame Dinge kaut oder gar frisst. So gefährlich ist es wirklich.

Pica-Syndrom bei Katzen
Spielt dieses Kätzchen nur oder hat es das Pica-Syndrom? ©SunRay BRI Cattery RU/iStock

Deine Katze ist gesund und propper und dennoch macht Dir ihr Verhalten Sorgen? Zeigt sie ein Spiel- und Fressverhalten, das Du nicht einordnen kannst? Nagt sie an Teilen aus Plastik, leckt und zieht am Teppich und versucht sogar, Radiergummis, Korken oder Stöpsel zu fressen?

Dann ist es sehr wahrscheinlich, dass sie unter dem Pica-Syndrom leidet. Grundsätzlich passiert dabei meist nichts Schlimmes. Vereinzelt kann ein verschluckter Gegenstand jedoch den empfindlichen Verdauungstrakt der Fellnase durcheinander bringen, zu inneren Verletzungen oder sogar zu einem Darmverschluss führen. Deshalb ist es für alle Katzenhalter wichtig, über das Pica-Syndrom Bescheid zu wissen. Wir haben alle Infos für Dich und Deine Katze bzw. Deine Katzen.

Was ist das Pica-Syndrom bei der Katze?

Das Wort „Pica“ ist die lateinische Bezeichnung für Elster. Gemeint ist der schwarz-weiße Rabenvogel, dem wir umgangssprachlich gern die Eigenschaft „diebisch“ zuschreiben. Elstern sind zwar keine Diebe, aber sehr intelligent und neugierig. Sie sehen sich ungewöhnliche Dinge gern genauer an, indem sie sie in den Schnabel nehmen und mittragen.

Das ungewöhnliche Verhalten von Katzen, eine Vorliebe für diese Gegenstände zu entwickeln, nennt man deshalb Pica-Syndrom. „Ungewöhnlich“ bedeutet in diesem Zusammenhang, dass diese Dinge weder mit dem Jagdtrieb unserer Katzen zu tun haben noch der Ernährung dienen.

Bei Pica suchen Katzen nach Gegenständen, die sie zum Lecken, Saugen, Nagen, Beißen und/oder Fressen benutzen. Es handelt sich beim Pica-Syndrom um eine Essstörung bzw. um eine Verhaltensstörung. Davon können nicht nur Katzen, sondern auch Kleinkinder betroffen sein. Die Störung kann bereits in frühem Alter beginnen und über mehrere Jahre bestehen bleiben.

Pica-Syndrom bei der Katze
Ähm, Katzen stehen in der Nahrungskette über Giraffen? Okay … ©Nektarstock/iStock

Welche Symptome zeigt eine Katze mit Pica-Syndrom?

Das Lecken, Saugen oder Fressen von für uns Menschen seltsamen Dingen hat nie den Zweck, den Hunger unserer Vierbeiner zu stillen. Es entsteht vielmehr aus einem inneren Drang – eine frühkindlich erworbene Angewohnheit, die sich zu einem Zwangsverhalten auswachsen kann.

Du als Katzenhalter musst bei einem so speziellen Stubentiger lernen, seine Umgebung entsprechend zu gestalten. Bei den „gesammelten“ Dingen kann es sich mitunter um scharfkantige Teile aus Plastik, harte Gummipfropfen, Sand, Papier, Karton oder Stoffreste handeln.

Wie oft Katzen dieses Verhalten zeigen, hängt davon ab, wie stark ihr Zwangsverhalten ausgeprägt ist. Allgemeine Aussagen lassen sich hier nicht treffen. Auf jeden Fall muss die Verhaltensstörung in regelmäßigen Abständen auftreten, um als Pica-Syndrom diagnostiziert zu werden.

Diagnose: Wie stellt man das Pica-Syndrom bei Katzen fest?

Es gibt nur eine Möglichkeit, Pica zu diagnostizieren: eine genaue Beobachtung der Katze mit anschließendem Gespräch mit einem Tierarzt oder Tierpsychologen. Du bist auf jeden Fall nicht allein mit dem Problem: Nicht wenige Vierbeiner zeigen – übrigens unabhängig vom Geschlecht – diese Auffälligkeit.

Hast Du in regelmäßigen Abständen – also täglich bis mehrmals täglich – den Eindruck, dass Deine Katze Dinge aus Plastik oder ähnlichen Substanzen leckt, zerteilt und frisst? Dann ist das Pica-Syndrom wahrscheinlich. Pica-Katzen lecken, nagen, beißen und schlucken ihre „Opfer“ oder deren Fragmente mit großer Leidenschaft.

Macht Deine Katze dies nur ein- oder zweimal pro Woche, handelt es sich wahrscheinlich nur um einen ausgeprägten Jagdtrieb oder ein Übersprungverhalten und nicht um Pica.

Frisst Deine Katze Zimmerpflanzen, handelt es sich ebenso meist nicht um Pica, denn viele Stubentiger benötigen die Zellulose aus Pflanzen zur Verdauung. Die meisten Katzen zerlegen ihre „Spielbeute“ und kauen nicht darauf herum oder fressen sie auf – auch in diesem Fall handelt es sich also noch um normales Spielverhalten und nicht um das Pica-Syndrom.

Pica-Syndrom bei Katzen: Eine Katze nagt einen Strohhut an
Hilfe, meine Katze frisst meinen Hut! ©juliazara/iStock

Wie gefährlich ist das Pica-Syndrom bei Katzen?

Pica ist prinzipiell erst einmal ungefährlich, wenn Du davon ausgehst, dass Deine Katze nichts frisst, was sie innerlich verletzen könnte. Leider hast Du dafür aber keine Garantie. Deshalb beherzige folgenden Rat und beachte zwei Dinge:

  1. Ist die Katze unbeaufsichtigt, sollte außer ihrem Spielzeug nichts aus Plastik, Gummi oder anderen Kunststoffen auf dem Boden, der Couch oder sonst erreichbaren Oberflächen herumliegen. Du solltest es Dir und Deinen Familienmitgliedern angewöhnen, kleine und teilbare Gegenstände außer Reichweite des vierbeinigen Lieblings zu platzieren.
  2. Trainiere Deine Katze (wenn nötig, mithilfe eines Tiertrainers) so, dass sie auf Dein lautes NEIN reagiert und auf das Beißen und Schlucken von Dingen aus Plastik, Holz oder Textil verzichtet. Dies gelingt natürlich nur dann, wenn Du sie beobachten kannst und in ihrer Nähe bist.

Welche Folgen hat die Essstörung?

Die Essstörung hat nur dann Folgen für die Gesundheit, wenn Deine Katze etwas erwischt, was ihren Verdauungstrakt beschädigt. Dies kann auf dreierlei Arten passieren:

  1. Die Verdauung der Substanz setzt Stoffe frei, die dem Katzenkörper schaden, sobald sie ins Blut geraten.
  2. Die Substanzen bzw. Gegenstände aus Plastik und anderen Materialien werden in einer Größe verschluckt, dass sie den Darm des Tieres verschließen.
  3. Scharfe Kanten aus Holz oder Plastik verletzen den Darm des Tieres.

Nur in wenigen Fällen kommt es allerdings zu diesen Horror-Szenarien – gerate also nicht in Panik! Dein Tier hat einen guten Instinkt dafür, welche Dinge es fressen und schlucken darf und welche nicht.

Dennoch ist eine Schädigung des Verdauungstraktes niemals auszuschließen. Zeigt Dein Stubentiger Anzeichen von Pica, sei einfach immer ein wenig auf der Hut. Oft sind es genau jene Dinge, mit denen Du nie gerechnet hättest, die die betroffenen Katzen zu ihren Favoriten erklären.

Pica-Syndrom: Eine Katze nagt an Geschenkband
Geschenkband kann sehr gefährlich werden. Achte darauf, dass Deine Katze nicht daran knabbern oder es verschlucken kann. ©skrotov/iStock

Welche Ursachen hat das Pica-Syndrom bei Katzen?

Pica ist seit mehreren Jahrzehnten bekannt, aber die genauen Hintergründe kann Dir bislang kein Tierarzt sicher erklären. Prinzipiell wird zwischen drei möglichen Ursachen für die Verhaltensstörung bei Katzen unterschieden:

  1. Mangelernährung
    Jeder kennt das Gefühl der unbändigen Lust auf bestimmte Nahrungsmittel. Damit will uns unser Körper zeigen, dass wir bestimmte Vitamine, Mineralstoffe oder Zucker benötigen. Genauso scheint es unseren Stubentigern zu ergehen. Sie spüren einen Mangel und suchen Ersatz, indem sie verschiedene – auch für sie ungeeignete – Dinge kauen und schlucken.
  2. Vererbung
    Weil Pica häufiger bei Burma– oder Siamkatzen vorkommt, wird eine vererbbare Zwangsstörung vermutet. Diese verstärkt sich nicht selten durch die strengen Zuchtvorschriften bei Katzen bestimmter Rassen.
  3. Psychische Ursachen
    Bei Katzenwelpen, die zu früh von der Mutter entwöhnt wurden, kommt das Pica-Syndrom häufiger vor. Auch bei Katzen, die unter Gefahren für die Gesundheit wie Langeweile, Stress, Nichtbeachtung und Einsamkeit leiden, kannst Du diese Essstörung öfter beobachten als bei ausgeglichenen Katzen.

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Behandlung bzw. Therapie: Was hilft einer Katze mit Pica-Syndrom?

Du kannst Deiner Katze helfen, indem Du die möglichen Ursachen suchst. Ist eine erbliche Störung wahrscheinlich, schenke Deiner Katze umso mehr Aufmerksamkeit und biete ihr viele Möglichkeiten der Ablenkung.

Sollte bei Deiner Fellnase ein Ernährungsmangel als Ursache wahrscheinlich sein, gib ihr Futterzusätze wie Öle, Fette oder Katzenmilch, die reich an Vitaminen und Mineralstoffen sind. Hier kann Dir ein Gespräch mit dem Tierarzt weiterhelfen. Es gibt unzählige hochwertige Leckerlis und Pastetchen, die – einmal am Tag gegeben – Deiner Katze genau in diesem Punkt weiterhelfen.

Ist Dein Pica–Kätzchen zu früh entwöhnt worden und zeigt es ein nervöses oder ängstliches Naturell? Trittelt es sehr viel? Auch hier kannst Du helfen, indem Du seine Umgebung abwechslungsreich und unterhaltsam gestaltest. Schenke Deinem Schatz viel Aufmerksamkeit und lenke ihn durch besondere Spiele wie z. B. Intelligenzspiele von seinem Verhalten ab.

Pica-Syndrom: Eine Katze leckt einen Kratzbaum an
Hier ist vermutlich nicht Pica, sondern Katzenminze im Spiel. ©Oleg_0/iStock

Kann man dem Pica-Syndrom vorbeugen?

Wichtig für Dich ist hier vor allem eines: Du trägst keine Schuld, wenn Deine Katze am Pica-Syndrom leidet und Plastik mehr liebt als Mäuse. Vielleicht ist hier sogar das Wort „leidet“ fehl am Platz. Solange sie sich auf harmlose Gegenstände beschränkt und keinen Schaden erleidet, ist Pica harmlos und Deine Katze kann mit dem ungewöhnlichen Zeitvertreib ohne Stress durch den Tag kommen.

Da sich das unerwünschte Verhalten vor allem bei Katzenwelpen manifestiert, ist davon auszugehen, dass seine Anpassung an ein Leben ohne Katzenmutter und -geschwister nicht ideal verlaufen ist. Was Du deshalb für jeden Stubentiger und seine Nachkommen tun kannst, ist:

  1. Entwöhne Katzenwelpen niemals zu früh von ihrer Mutter.
  2. Dränge die verkaufende oder verschenkende Person nicht dazu, Dir das gewünschte Kätzchen ein wenig früher zu überlassen, weil es „ja nur kurze Zeit so herzig, klein und lieb“ ist.

Züchtest Du selbst Katzen, gib die Kitten keinesfalls zu früh ab. Eine zu frühe Trennung vom Muttertier bedeutet enormen Stress für die kleinen Katzen. Das kann zu ernsthaften Folgen für die Gesundheit führen – und zwar körperlich wie psychisch.

Wir wünschen Dir und Deinem Vierpfoter alles Gute! ♥