Mantrailing: Hundesport (nicht nur) für Supernasen

Mantrailing ist so etwas wie ein Versteckspiel mit dem Hund. Hier erfährst Du alles über die artgerechte Auslastung, die jede Menge Spaß macht!

Mantrailing
Schnuppernasen, Marsch! ©3quarks/iStock

Für den Hund ist die Nase das mit Abstand wichtigste Sinnesorgan. Wir Menschen orientieren uns vor allem über das Sehen. Hunde sammeln die meisten Eindrücke um sie herum über die Nase.

Das kannst Du für die perfekte Freizeitbeschäftigung mit Deinem Hund nutzen. Setze auf die Schnupperfreude Deines Hundes und biete ihm ein Training an, das ihm viel Freude bereiten wird: Mantrailing.

Wir erklären Dir alles, was Du über den Hundesport wissen musst, was das Tolle an diesem ganz besonderen Versteckspiel ist und wie Du mit Deinem Hund auf Spurensuche gehst.

Geruchssinn beim Hund

Schnuppern gehört bekanntlich zu den absoluten Lieblingsbeschäftigungen von Hunden. Über ihre sehr feine Nase können Hunde um 25- bis 44-mal besser riechen als wir Menschen. In vielen Fällen geht das sogar noch deutlich besser, da ihre Schnauze ein äußerst komplexes Organ ist.

Im Vergleich: Zwischen 125 und 220 Millionen Riechzellen hat der Hund, während der Mensch nur fünf Millionen aufweist. Ganze zehn Prozent Rechenleistung gehen im Gehirn des Hundes für die Verarbeitung der Geruchsinformationen drauf. Beim Menschen ist es nur ein einziges läppisches Prozent.

Weiterhin verfügen Hunde über das außerordentliche Talent des räumlichen Riechens. Das sogenannte Stereoriechen ermöglicht es ihnen, einen Geruch in der Luft räumlich zuzuordnen. Ein Hund kann somit erschnuppern, ob ein Geruch in diese oder jene Richtung zu- oder abnimmt und dadurch einer Spur folgen.

Einige Hunderassen haben zudem einen solch hoch entwickelten Geruchssinn, dass sie Gerüche über kilometerweite Entfernungen und über lange Zeiträume hinweg wahrnehmen können. Dazu gehören beispielsweise der Basset Hound oder der Bloodhound.

Mantrailing mit einem Schäferhund
Dieser Deutsche Schäferhund hat eine wichtige Aufgabe beim Rettungsdienst. ©hxdbzxy/iStock

Was ist Mantrailing?

Der Hundesport Mantrailing kommt ursprünglich aus dem Polizeidienst. Besonders in den USA hat man früh damit begonnen, mithilfe von Hunden vermisste oder gesuchte Personen anhand einer Geruchsspur zu finden.

Der Begriff setzt sich daher auch aus den zwei englischen Wörtern „man“ (Person) und „trailing“ (Aufspüren) zusammen. Dabei geht es ausschließlich um die feine Nase des Hundes. Der Hund – der „Mantrailer“ – soll der Duftspur einer bestimmten Person an der langen Leine folgen.

Zwei Arten von Mantrailing

Inzwischen hat sich das Mantrailing als beliebtes Training etabliert, um einen Hund artgerecht auszulasten. Beim Mantrailing muss heutzutage zwischen dem professionellen Einsatz bei der Polizei oder im Rettungswesen und dem Hundesport unterschieden werden.

  1. Professionelles Mantrailing
    Hunde in den Diensten der Polizei sind extrem gut ausgebildet und ihr Können ist dementsprechend beeindruckend. Sie werden sowohl im Rettungswesen als auch bei polizeilichen Angelegenheiten eingesetzt. Sie sollen tatsächlich vermisste Menschen oder gesuchte Personen aufspüren.
  2. Mantrailing als Hundesport
    Beim Mantrailing außerhalb des professionellen Einsatzes wird selbstverständlich keine vermisste Person oder ein entflohener Häftling gesucht. Vielmehr nimmt hier die sogenannte Versteckperson diese Rolle ein. Der Hund soll bei diesem Training spielerisch ausgelastet werden, indem er seine Nase und seinen Geist artgerecht beschäftigt. Hier geht es nicht darum, einen Hund zum Aufspür-Spezialisten auszubilden. Vielmehr soll der Hund Spaß bei seiner Suche haben, während die Versteckperson friedlich Däumchen dreht und auf ihre „Rettung“ wartet.

Mantrailing vs. Fährtenarbeit

Außerdem muss man noch zwischen Mantrailing und der Fährtenarbeit unterscheiden. Letztere gilt auch als beliebtes Training für Hunde.

Bei der Fährtenarbeit folgt der Hund ebenfalls mit seiner Nase einer bestimmten Spur. Bei dieser Duftspur handelt es sich allerdings um die sogenannte mechanische Spur. Menschen – oder Tiere – hinterlassen beispielsweise beim Durchqueren einer Wiese Duftspuren in der Erdoberfläche, an den Pflanzen und an anderen Objekten. Dies wird auch Bodenverletzung genannt.

Bei der Fährtenarbeit folgt der Hund dieser Spur, die jedoch meistens nur kurzfristig zu erschnuppern ist. Beim Mantrailing dagegen folgt der Hund allein der Geruchsspur eines Lebewesens in der Luft, die teilweise Wochen erhalten bleiben kann.

Suchhund beim Mantrailing
Links! Klarer Fall! Links geht es weiter! ©Ankur Sharma/iStock

Wie funktioniert Mantrailing?

Beim Mantrailing konzentriert man sich ganz auf den sogenannten Individualgeruch einer Person. Dem Hund wird dabei eine Geruchsprobe gezeigt. Das kann beispielsweise ein Kleidungsstück sein, das mit dem Individualgeruch der zu suchenden Person behaftet ist.

Der Hund schnuppert an der Geruchsprobe und macht sich anschließend (aufgrund seiner vorherigen Ausbildung) auf die Suche nach diesem Individualgeruch der gesuchten Person bzw. der Versteckperson. Erschnuppert der Hund eine Spur, beginnt er als Maintrailer, dieser zu folgen.

Der Hund wird dabei in der Regel über die Schleppleine von seinem menschlichen Partner geführt. Oder besser gesagt – der Hund führt seinen Menschen mitsamt Leine auf die richtige Spur.

Was ist der Individualgeruch?

Jeder Mensch verliert ununterbrochen Tausende Hautschüppchen – pro Minute! In diesen Schuppen sind nicht nur Hautpartikel enthalten, sondern auch viele weitere Rückstände, etwa von Parfüm, Schweiß oder sogar Blut. Dazu kommen ständige Ausscheidungen in der Form von Gasen über den Atem- und Verdauungstrakt sowie der Verlust von Wasser über Haut, Lunge und Schleimhäute.

Dabei entsteht ein einzigartiges Geruchsmuster: der Individualgeruch. Wissenschaftlich ist es zwar noch nicht exakt bewiesen, aber man geht davon aus, dass jeder Mensch ähnlich wie beim Fingerabdruck einen einzigartigen Individualgeruch besitzt. Hunde können diesen riechen und unterscheiden. Und das teilweise über Wochen hinweg.

Wie arbeitet ein Mantrailer-Hund?

Durch das Training beim Mantrailing lernt der Hund, dass er einem einzigen Geruch folgen soll. Welchem, wird ihm durch die Geruchsprobe vorgegeben. Damit soll er arbeiten. Der Hund macht sich auf die Suche und beginnt die Gegend zu sondieren. Nimmt er den zu suchenden Individualgeruch wahr, kann er diesen interpretieren und ist in der Lage, Alter, Richtung und Intensität zu bestimmen und ihm zu folgen.

Mantrailing als Hundesport
Nee, rechts. Es ging doch rechts weiter! Macht aber nichts: Jeder kann sich mal verschnuppern. ©Ekaterina Gorokhova/iStock

Welche Hunde sind fürs Mantrailing geeignet?

Im Gegensatz zu anderen Hundesportarten wie Agility kann beim Mantrailing im Grunde jeder Hund und jede Rasse mitmachen. Hier muss jedoch zwischen dem professionellen (beruflichen) Mantrailer und dem Mantrailer als Hobby unterschieden werden.

Übt man das Mantrailing als Hobby aus, um seinen Hund zu beschäftigen, gibt es in der Regel keine Einschränkungen. Der Hund soll lediglich Spaß haben, und zwar jeder Hund. Die Rasse ist dabei egal.

Soll das Mantrailing auf beruflicher Basis erfolgen, müssen die Hunde selbstverständlich auch besonders gut für diese Arbeit geeignet sein. Aufgrund ihrer besonders feinen Nasen sind das vor allem Rassen wie der Bloodhound, der Basset Hound, der Beagle und weitere Rassen wie etwa Schweißhunde.

Im Kern ist dabei jedoch eher das individuelle Talent und das Riechvermögen eines jeden Hundes ausschlaggebend. So können grundsätzlich alle Hunde den großen Schnupperspaß lernen. Ein besonders talentierter Labrador ist für das berufliche Mantrailing ebenso geeignet wie ein Deutscher Schäferhund.

Allgemeine Voraussetzungen für Mantrailer

Allgemein solltest Du beim Training auf diese Punkte achten:

  • Gesundheit
    Eine Spur kann sich kreuz und quer durch den Wald und stundenlang hinziehen. Dein Hund sollte also gesund und fit sein. Ein kranker oder alter Hund muss hier jedoch keineswegs ausgeschlossen werden. Stattdessen kann einfach eine kürzere und einfachere Route zum Schnuppern gelegt werden.
  • Kurzatmige Rassen
    Hunde mit flachen Schnauzen wie der Mops oder die Französische Bulldogge haben zwar ebenfalls eine sehr gute Nase, allerdings stellt ihre Kurzatmigkeit ein Problem bei längeren Strecken dar. Mit diesen Hunderassen solltest Du lieber nur kurze Mantrailing-Übungen ausführen.
  • Grundgehorsamkeit
    Der Hund sollte schon gelernt haben, worum es geht und was er tun soll. Auch ist ein gewisser Grundgehorsam wichtig, wenn Du Deinen Hund an der langen Leine laufen lässt. Welpen eignen sich daher noch nicht so gut für das Training. Allerdings kannst Du einem Welpen bereits spielerisch den Hundesport näherbringen.

Ist Mantrailing gesund für den Hund?

Mantrailing ist definitiv gesund für den Hund! Durch das Folgen von Spuren wird er sowohl körperlich als auch geistig ausgelastet und auch die Bindung zwischen Mensch und Tier wird gestärkt.

Wie Du die Bindung zusätzlich stärken kannst, erfährst Du hier: Bindung zum Hund stärken – So geht‘s

Die Konzentrationsfähigkeit von Hunden wird gefördert und Unsicherheiten oder Ängste werden abgebaut. Und am wichtigsten: Mit der Schnauze ungestört die Welt erkunden zu dürfen, ist für Hunde sowieso der größte Spaß der Welt.

Wie oft sollte man mit dem Hund Mantrailing trainieren?

Hier gilt das Gleiche wie bei jedem anderen Hundesport: Eine feste Vorgabe gibt es nicht. Du kannst mit Deinem Hund so oft trainieren, wie er Lust hat – aber bitte nicht länger! Zeigt Dein Hund Erschöpfung oder Desinteresse am Arbeiten, ist das ein Zeichen, dass Du das Training beenden solltest. Möchte er noch ein bisschen weiterschnuppern, lasse ihm den Spaß.

Mantrailing: Wie fange ich an?

Um Dich und Deinen Hund in den Hundesport einzuführen bzw. ihn zu lernen, nehmt Ihr am besten an einem Mantrailing-Kurs teil. Viele Hundeschulen in Deutschland bieten ein solches Training an. Hier lernst Du zunächst, welches außergewöhnliche Organ die Hundenase überhaupt ist und was sie alles kann.

Anschließend werdet Ihr Schritt für Schritt in das Training eingeführt. Dein Hund wird lernen, was von ihm verlangt wird und Du lernst, die Körpersprache Deines Hundes besser zu deuten. Der Fokus und die Konzentrationsfähigkeit des Hundes werden geschult, ebenso die Fähigkeit, sich beim Arbeiten und Verfolgen der Spur nicht ablenken zu lassen.

Am Anfang beginnt Ihr beim Training immer mit sehr kurzen Strecken über wenige Meter. Dies wird schrittweise gesteigert und auch das Gelände immer anspruchsvoller. Hat Dein Hund den Grundkurs durchlaufen (und verstanden), kannst Du mit ihm auch privat auf Spurensuche gehen und ihn Düfte verfolgen lassen.

Was braucht man fürs Mantrailing?

Mantrailing findet in der Regel draußen in der Natur statt. Damit Du zusammen mit Deinem Hund für das Training optimal ausgestattet bist, benötigst Du folgende Dinge:

  • Schleppleine oder eine andere lange Leine
  • Spezielles Brustgeschirr (Suchhundegeschirr)
  • Warnweste für Dich
  • Evtl. LED-Halsband für den Hund bei dunkleren Verhältnissen
  • Warme Kleidung für Dich und Deinen Hund, falls es kalt wird
  • Wasser und Snacks für Dich und Deinen Hund
  • Duftstoffprobe der Versteckperson
  • Versteckperson

Wo kann man Zubehör fürs Mantrailing kaufen?

Bis auf die Versteckperson findest Du das gesamte Zubehör im Tierwarenhandel oder direkt im Onlinehandel. Für die Versteckperson kannst Du Familienmitglieder oder Freunde fragen, selbstverständlich mit dem Versprechen, anschließend Kaffee und Kuchen oder ein anderes kleines Dankeschön zu spendieren.

Du glaubst, Mantrailing ist genau das Richtige für Deinen Hund? Dann schnappe Dir jetzt Deine Superspürnase und los geht das große Schnuppern! ♥


AusLiebezumHaustier.de ist Teilnehmer des Amazon-Partnerprogramms, das zur Bereitstellung eines Mediums für Webseiten konzipiert wurde, mittels dessen durch die Platzierung von Partner-Links zu Amazon.de Entgelte verdient werden können.