Die 9 größten Fehler in der Hundeerziehung

Na, wie läuft es so mit „Sitz“, „Platz“ und „Aus“? Mehr so mittel? Diese Fehler in der Hundeerziehung solltest Du auf jeden Fall vermeiden.

Fehler in der Hundeerziehung
Und der Berner Sennenhund so: „Mission erfüllt: Ich sitze. Du kannst den Finger runternehmen und mir endlich das Leckerli geben!“ ©kzenon/iStock

Eines vornweg: Die Hundeerziehung ist kein einfaches Unterfangen. Jede Hunderasse ist anders und benötigt unterschiedliche Ansätze in der Erziehung. Doch gleichzeitig gibt es allgemeine Fehler, die Du in der Erziehung Deines Hundes auf jeden Fall vermeiden solltest.

Ein Hund kann noch so zuckersüß sein – wird er falsch erzogen, spiegelt sich das auch in seinem Verhalten wider. Im besten Fall treibt er ständig nur Schabernack und zerkaut einen Lieblingsschuh nach dem anderen. Im schlimmsten Fall wird der Hund aggressiv oder sogar verhaltensgestört.

Erfahre hier die neun größten Fehler in der Hundeerziehung, die Du unbedingt vermeiden solltest.

1. Welpen eine Schonfrist setzen

Beginnen wir mit den Tipps gleich ganz am Anfang: Ein Welpe kommt ins Haus und so viel flauschige Niedlichkeit auf vier tapsigen Pfoten macht jedes noch so strenge Herz ganz schwach. Der Mini-Vierbeiner zerfetzt das Designer-T-Shirt? Ein unschuldiger Blick aus den großen Kulleraugen und alles ist vergessen. Aber Obacht: Hier passiert bereits der erste Fehler.

Ein Welpe kann noch so zuckersüß und verspielt sein: Spätestens wenn er von seinen Züchtern in sein neues Zuhause gegeben wird, ist er bereits mittendrin in der Lernphase. Umso wichtiger ist es, von Anfang an Wert auf eine liebevolle, aber doch konsequente Erziehung zu legen.

Ein junger Hund mag oft nur Schabernack und Spiel im flauschigen Köpfchen haben, doch er merkt sich ganz genau, was sein Herrchen oder Frauchen ihm alles durchgehen lässt. Diese Verhaltensmuster anschließend wieder „weg“ zu erziehen, kann ganz schön viel Kraft und Mühe kosten.

Fehler in der Hundeerziehung: Schonfrist für Welpen
So schwer es ist: Erziehung beginnt schon im Welpenalter. ©Cunaplus_M.Faba/iStock

2. Den Hund vermenschlichen

Es ist ein ziemlicher Streitpunkt vieler Hundeliebhaber: Wie viel Mensch ist mein Hund? Letztendlich muss hier glasklar gesagt werden: Ein Hund ist ein Hund. Selbstverständlich gilt er als sehr geschätztes Familienmitglied. Und natürlich soll er mit ganz viel Liebe, Zuwendung und Respekt überschüttet werden.

Gleichzeitig sollte Hundebesitzern stets bewusst sein, dass ihre Vierbeiner Tiere sind und dementsprechend auch eine artgerechte Haltung und Erziehung benötigen. Man kann mit einem Hund nicht diskutieren oder Kompromisse schließen. Ein Hund versteht nicht, wenn man ihn freundlich darum bittet, nicht die Couch anzuknabbern oder auf den teuren Teppich zu strullern. Genausowenig wie er versteht, wenn man ihn in langen Monologen über den richtigen Umgang mit anderen Vierbeinern aufklären will.

Ein Hund braucht leichtverständliche Kommandos, die klar formuliert werden. Dann hat er die besten Chancen zu verstehen, was man von ihm will.

Lies auch: 9 Tipps – So wird der Welpe stubenrein

Fehler in der Hundeerziehung: Vermenschlichung
Sitzt der Cavalier King Charles Spaniel bei den Mahlzeiten mit am Tisch? Dann ist er ganz evtl. ein kleines bisschen vermenschlicht. 😉 ©fotyma/iStock

3. Kommandos ständig wiederholen

Es ist ein häufiger Fehler in der Hundeerziehung, Kommandos an den Hund ständig zu wiederholen, weil der werte Vierbeiner beim ersten, zweiten und fünften Mal immer noch stur sein Ding durchzieht.

Hundetrainer betonen, dass Hunde lernen sollten, bereits beim ersten Kommando zu gehorchen. Wird ein Befehl ständig wiederholt („Sitz. Sitz! SITZ!“), verliert er für den Hund seine Gültigkeit. Er lernt dadurch vielmehr, dass ihn sowieso keine Konsequenzen oder Belohnungen erwarten. Vielleicht lernt er dadurch aber auch, er müsse nur so lange sitzen, solange sein Mensch auch „Sitz“ ruft.

Lies dazu auch: So trainierst Du „Sitz und bleib“ mit Deinem Hund

Fehler in der Hundeerziehung: Kommandos ständig wiederholen
„Sitz. Sitz. Sitz. Sitz. …“ Der Hund weiß meist längst, was man will. Er testet manchmal lediglich, ob man es auch durchsetzt. ©RobertoDavid/iStock

4. Den Hund überfordern

Geduld ist eine Tugend. Und genau die benötigt man, wenn man Fehler in der Hundeerziehung vermeiden will. Denn dem Hund die verschiedenen Grundkommandos beizubringen, geschieht nicht von heute auf morgen.

Gerade Welpen und Junghunde haben nur eine sehr kurze Aufmerksamkeitsspanne, die wohlüberlegt genutzt werden sollte. Konzentriere Dich auf bestimmte Kommandos, die Du mit dem Hund in kurzen Intervallen regelmäßig trainierst. Natürlich sollten die Übungen immer mit Leckerlis, Streicheleinheiten und ganz viel Lob verbunden sein.

Auf keinen Fall solltest Du ungeduldig oder frustriert werden oder den Vierbeiner gar schimpfen, wenn er das Gelernte nicht sofort umsetzt.

Fehler in der Hundeerziehung: Überforderung des Hundes
Training im Freien ist mit Ablenkung verbunden. Das macht das Lernen deutlich schwerer. ©K_Thalhofer/iStock
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5. Inkonsequent in der Erziehung sein

Es ist eines der wichtigsten Gebote in der Hundeerziehung überhaupt: stets konsequent sein. Hält man sich selbst nicht mehr an eine Regel, die man mit seinem Hund anfangs strikt einstudiert hat, hat das Konsequenzen für das weitere Verhalten.

Ein klassisches Beispiel ist das Betteln am Esstisch. Der Hund guckt so verzweifelt, als würde er gleich den tragischsten Hungertod der Welt sterben und man gibt ihm ausnahmsweise etwas ab. Prompt hat man auch beim nächsten und übernächsten Essen einen bettelnden Vierbeiner am Hosenbein. Denn der Hund weiß: Er muss einfach nur oscarreif verhungern, schon gibt es die Belohnung.

Konsequenz ist grundsätzlich, vor allem aber bei Rassen mit Dickschädel wie dem Dackel, Rhodesian Ridgeback oder der Französischen Bulldogge wichtig. Aber auch bei allen anderen Hunden machst Du Dir mit Inkonsequenz unnötig das Leben schwer.

Fehler in der Hundeerziehung: Ein alter Mann mit Hund am Tisch
Bekommt der Hund mal was vom Tisch und dann wieder nicht? Dann ist es kein Wunder, dass er bettelt. ©Jevtic/iStock

6. Unerwünschtes Verhalten ignorieren

Dieser Fehler geschieht besonders oft bei Welpen, weil diese in der Regel den größten Unfug der Welt anstellen können und es wirkt immer noch niedlich und lustig. Aber auch bei einem ausgewachsenen Hund kann es vorkommen, beispielsweise in bisher unbekannten Situationen.

Unerwünschtes Verhalten sollte von Beginn an liebevoll, aber konsequent unterbunden werden. Hunde brauchen klare Regeln und Vorgaben, an die sie sich halten können. Umso leichter fällt ihnen das Lernen. Werden sie nur ab und zu gemaßregelt, zu anderen Zeitpunkten aber nicht, wissen sie selbst nicht mehr, was sie eigentlich dürfen. Oft machen sie dann einfach, was ihnen gefällt oder sie für richtig halten. Das deckt sich allerdings nicht immer mit den Vorstellungen von Herrchen oder Frauchen …

Fehler in der Hundeerziehung: unerwünschtes Verhalten
Soll Anspringen ein Tabu sein, muss es immer geahndet werden … auch wenn der Wauz dabei so süß aussieht! ♥ ©Kerkez/iStock

7. Die falschen Hilfsmittel benutzen

Man liest und hört immer wieder von sogenannten Hilfsmitteln, die bei der Hundeerziehung eingesetzt werden können. Dazu gehört zum Beispiel das Erziehungsgeschirr, um das Gehen an der Leine zu üben, oder der berüchtigte Wasserspritzer.

Beides hat in der Erziehung des Hundes nichts verloren! Ein Erziehungsgeschirr kann beim Hund Schmerzen verursachen. Dadurch „lernt“ er, dass die Leine mit Schmerzen verbunden ist und sträubt sich künftig erst recht, an die Leine genommen zu werden.

Lies dazu auch: So gewöhnst Du Deinen Welpen an die Leine

Auch das Bespritzen der Hunde mit Wasser, wenn sie etwas „falsch“ machen, ist eine veraltete Erziehungsmethode, die heutzutage nichts mehr in der Hundeerziehung zu suchen hat. Werden Hunde für ein unerwünschtes Verhalten mit Wasser bespritzt, kann dies ihre Unsicherheit noch verstärken – und damit auch das unerwünschte Verhalten.

Außerdem kann es die Beziehung und auch die Bindung zwischen Hund und Mensch gehörig beeinträchtigen. Der Hund lernt, seine Bezugsperson nicht mehr zu respektieren, sondern zu fürchten. Und das ist in jeder Erziehung ein großer Fehler.

8. Die eigene Körpersprache nicht beachten

Hunde sind sehr sensible Lebewesen, die sich stark an der Körpersprache und Gestik ihrer Menschen orientieren. Das ist verständlich, denn unsere Sprache verstehen Hunde – trotz einiger leidenschaftlich vom Gegenteil überzeugter Menschen – nicht.

Soll der Hund das Kommando „Sitz“ oder „Ruhig“ lernen, sein Mensch fuchtelt und zappelt aber die ganze Zeit hektisch herum, ist das kontraproduktiv und verwirrt den Vierbeiner unnötig.

Oder Du möchtest, dass Dein Hund an der Leine bei der Begegnung mit anderen Hunden ruhig und entspannt bleibt – Du selbst bist aber überhaupt nicht ruhig, sondern nervös und unsicher. Auch daran orientiert sich der Hund.

Vierbeiner brauchen für ein gehorsames Verhalten einen starken Zweibeiner, dem sie vertrauen können. Und so muss auch unsere Körpersprache aussehen.

Fehler Hundeerziehung: Körpersprache des Menschen
Was Frauchen möchte oder nicht, scheint diesen weißen Fellpfoter nur wenig zu interessieren. ©LittleBee80/iStock

9. Gewalt anwenden

Der allergrößte Fehler in der Hundeerziehung, der absolut keine Entschuldigung kennt, ist die Anwendung von Gewalt. Dazu zählen auch die Androhung von Schlägen, das abrupte Reißen an der Leine sowie generell ein grober Umgang oder auch Schreien.

Bestrafung bringt in der Erziehung des Hundes fast nie etwas, sondern führt nur zu einer verstärkten Unsicherheit und zu einer mit Angst verknüpften Beziehung zu den Menschen. Wer seinen Hund liebt, erzieht ihn auch liebevoll!

Fehler in der Hundeerziehung: Eine Frau schimpft mit einem Schäferhund
Wird hier gerade ein Schäferhund ausgeschimpft? Das wollen wir aber gar nicht sehen! ©merc67/iStock

Fazit: Fehler in der Hundeerziehung sind menschlich, sie zu wiederholen nicht

Nicht nur Hunde müssen neue Dinge erst einmal lernen, sondern auch wir Menschen. Und dazu gehört auch die Hundeerziehung.

Merken wir, dass wir mit bestimmten Erziehungsmethoden nicht weiterkommen oder dass wir einen Fehler gemacht haben, liegt es an uns, die Methoden zu ändern, weitere Tipps anzunehmen und die Fehler das nächste Mal zu vermeiden. Der Hund kann dafür nichts. Zum Glück sind wir in den Augen der Vierbeiner trotzdem immer noch die tollsten Menschen der Welt. Fehler werden uns also mit einem feuchten Schlabbern oder wilden Wedeln verziehen. Wenn wir die Fehler dauerhaft wiederholen, ist das aber vielleicht irgendwann nicht mehr so.

Sei lieb zu Deinem Hund! ♥