Kangal: Anatolischer Hirtenhund im Porträt

Der Kangal ist ein kuscheliger Kumpel? Das stimmt leider nicht ganz. Die Hunde bringen jede Menge Ansprüche mit und: Du darfst sie nicht überall halten.

Kangal: Anatolischer Hirtenhund
Mit klugem Blick wacht er über seine Herde: Hier ist der Kangal in seinem Element. ©batuhan toker/iStock
• Den Kangal finden wir einfach riesig.
• Der Hund ist allerdings eine echte Herausforderung.
• Halter sollten unbedingt wissen, worauf sie sich einlassen.

Der Kangal ist ein ziemlich großer, herrlich felliger Hund. Mit seiner dunklen Schnute schnuppert er wachsam in der Gegend herum und seine fast schwarzen, mandelförmigen Augen sind geheimnisvoll und vertrauenerweckend zugleich.

Wegen seines stolzen und wachen Auftretens können sich viele Menschen den Kangal als perfekten Familienhund vorstellen. Hier müssen wir allerdings einmal sehr laut „STOP!“ rufen, denn dieser Hund wünscht sich ganz andere Aufgaben.

Der Coban Köpegi, wie er auch heißt, oder Anatolischer Hirtenhund oder Kangal-Hirtenhund oder einfach nur Kangal hat nämlich reichlich Grips und nicht nur einen breiten, sondern auch seinen eigenen Kopf. Das müssen Halter unbedingt wissen, sonst wird niemand glücklich: der Hund nicht und seine Menschen genauso wenig.

Was den Kangal ausmacht, wie er aussieht und in welchen Bundesländern seine Haltung nicht ohne Auflagen möglich ist, verraten wir Dir hier.

Wie sieht ein Kangal aus?

Der Kangal ist ein ganz ordentlicher „Klopper“ in der Hundewelt! (Mehr zu seiner Größe liest Du im nächsten Absatz.) Die beachtliche Größe des Kangals ist aber nicht alles, was diesen Hund so besonders macht: Diese Rasse ist eine echte Erscheinung!

Der Hund wirkt nicht nur kräftig, er ist es auch. Dennoch ist er auf seinen großen Pfoten flott unterwegs: Wenn es darauf ankommt, bewegt er sich faszinierend schnell und geschmeidig. Sei Kopf ist breit und seine Haltung stolz, aufrecht und – wenn man ehrlich ist – ziemlich respekteinflößend.

Der Kangal hat eine recht lange, hoch angesetzte Rute. Hat er gerade keine Aufgabe, lässt er sie meist entspannt hängen und rollt sie nur wenig ein. Kommt jedoch jemand seinen Schäfchen (oder jemandem, den er für sein Schaf hält) zu nahe, gerät der ganze Hund in Aktion und mit ihm auch seine Rute: Dann rollt er sie hoch über seinem Rücken ein.

Der Kangal hat kurzes bis halblanges Fell. Je nach Jahreszeit zieht sich der Hund seinen Sommer- oder Winterpelz an. Dann ist das Fell entsprechend kürzer oder auch länger.

Die Unterwolle schützt den Hund vor Wind und Wetter. Sie ist dicht und dick. Halter müssen sich also auf reichlich Flusen im Zuhause einstellen, wenn sie diesen Hund zu sich holen. (Mehr zur Pflege erfährst Du weiter unten.) Am Hals und an den Schultern ist das Fell länger als am restlichen Hund. Ist der Kangal im voll ausgeprägten Winter-Flausch-Modus, lässt er sich teilweise sogar eine kleine Mähe stehen.

Was die Fellfarbe angeht, hat der Kangal laut Rassestandard die Wahl zwischen allen Farben von Creme bis Wolfsgrau. Einige weiße Stellen sind erlaubt. Je weniger Weiß der Hund mitbringt, umso lieber ist es den Züchtern. Ganz wichtig beim Kangal ist die schwarze Maske. Sie umfasst den Fang und wird am Schädel heller. Die dreieckigen Schlappohren sollen dunkel sein.

Wie groß ist ein Kangal?

Ein Anatolischer Hirtenhund wird zwischen 74 und 81 cm groß (Rüden). Kangal-Hündinnen erreichen eine Größe von 71 bis 79 cm. Der Kangal zählt damit zu den größten Hunderassen der Welt.

Wie schwer ist ein Kangal?

Kangal-Rüden erreichen ein Gewicht von 48 bis 60 kg. Hündinnen dieser Rasse sind mit 40 bis 50 kg etwas leichter.

Kangal: Als Welpe ahnt man noch nicht, was in dem Hirtenhund steckt
Kangal-Welpen sind wirklich knuffig. Dennoch steckt auch hier ein Kangal und damit ein höchst anspruchsvoller Hund drin. ©erdinhasdemir/iStock
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Wie alt wird ein Kangal?

Für seine imposante Größe hat der Kangal eine stolze Lebenserwartung: Der Hund wird in der Regel zwischen 10 und 14 Jahre alt.

Welchen Charakter bzw. welches Wesen hat der Kangal?

Ein Anatolischer Hirtenhund trägt seinen Namen nicht umsonst: schließlich soll er Hirten bei der Arbeit helfen. Daher muss der Kangal ein schlaues Köpfchen, sprich: reichlich Intelligenz mitbringen. Und das macht er auch glatt. Gleichzeitig ist er sehr selbstständig. Bei der Arbeit mit ihm ist das ein echtes Plus.

Seinem Halter bzw. seiner Halterin gegenüber ist er besonders loyal. Mit einem Kangal hat man somit keinen Hund, sondern einen echten Partner an der Seite.

Lies dazu auch: Intelligente Hunderassen – Die 10 schlausten Hunde der Welt

Kangals sind außerdem standhaft und mutig, wie es im Rassestandard heißt. Dabei sind sie bei artgerechter Haltung und Auslastung nicht aggressiv, Fremden gegenüber jedoch sehr misstrauisch. Die Hunde sind besonders wachsam und eignen sich gerade deshalb so gut als Herdenschutzhunde. Ihr eigenständiges Denken ist besonders ausgeprägt. So kommt es, dass ein Kangal häufig selbst Entscheidungen trifft. Das muss Haltern unbedingt klar sein und sie müssen in der Haltung und Erziehung unbedingt darauf eingehen.

Kangal: Die richtige Haltung und Erziehung

Der Kangal gehört zu den Hunderassen, die aufgrund ihrer Größe und der Wuscheligkeit oft als perfekter Familienhund verkannt werden. Beim Neufundländer oder Landseer mag dieser Eindruck zutreffen, beim Kangal ist es anders: Er ist ein Hirtenhund bzw. Herdenschutzhund durch und durch. Er trägt das Bewachen und Beschützen quasi in den Genen. Es ist daher absolut essenziell, dass der Hund seiner Berufung nachgehen kann!

Der Kangal braucht unbedingt eine artgerechte Beschäftigung. Im Idealfall lebt er auf einem großen Gelände mit einem guten Familienanschluss und einigen Tieren zum Bewachen. Hier kann er genau der Hund sein, als der er gezüchtet wurde, und seine Fähigkeiten ausleben.

Wird der Kangal in der Wohnung ohne entsprechende Aufgaben und ohne genügende geistige und körperliche Auslastung gehalten, kann der Hund massive Verhaltensauffälligkeiten entwickeln. Es ist eine absolute Tragödie, dass viele dieser wundervollen, hochintelligenten Hunde immer wieder in Tierheimen landen, weil die Halter sich nicht bewusst waren, welche Ansprüche Kangals an ihre Halter und die Haltung haben. So enden diese hochintelligenten Hunde in kleinen Zwingern, in denen sie in der Regel noch mehr psychische Schäden erleiden und oft kaum mehr vermittelbar sind.

Wer sich unter allen Hunderassen ausgerechnet für den Kangal entscheidet, muss sich unbedingt bewusst darüber sein, was der Hund braucht, um glücklich, ausgeglichen und gefordert zu sein. Hundeerfahrung ist bei dieser Rasse außerdem ein klarer Vorteil!

Die Haltung und Erziehung sollte immer mit reichlich Ruhe, aber auch der nötigen Konsequenz erfolgen. Denn, wie oben beschrieben, hat der Kangal so ein kluges Köpfchen, dass er zu eigenständigen Entscheidungen neigt. Hier müssen Halter immer einen Schritt schneller sein und in der Erziehung sanft, aber konsequent klarmachen, wann der Mensch die Führung übernimmt.

Welche Pflege braucht der Kangal?

Der Kangal ist wunderbar wuschelig. Die Pflege ist bei ihm dennoch recht unkompliziert. Mit einer geeigneten Bürste bekommst Du das Fell und auch die kräftige Unterwolle bei dieser Rasse in der Regel wieder gut sortiert.

Beim Fellwechsel bekommst Du allerdings reichlich haarige Aufgaben, denn dann wirft der Kangal sein Sommer- oder Winterfell ab und verstreut es ziemlich engagiert … überall! Bürste ihn dann häufiger und kämme auch die Unterwolle bestmöglich aus. So kannst Du das Flusenproblem bei Hunden dieser Rasse zumindest etwas eindämmen.

Der Kangal neigt dazu, an den Hinterläufen eine Wolfskralle zu haben. Halte sie immer möglichst kurz, um Verletzungen zu vermeiden.

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Kangal im Tierheim
Kangals werden oft von ahnungslosen Haltern angeschafft und dann völlig überfordert im Tierheim abgegeben. ©Thankful Photography/iStock

Welche typischen Krankheiten hat der Kangal?

Rassetypische Krankheiten gibt es beim Kangal keine. Die Hunde wurden auf Robustheit gezüchtet, und die bringen sie auch heute noch zuverlässig mit. In Sachen Gesundheit musst Du Dir bei den Hunden daher meist keine Sorgen machen.

Wegen der stolzen Größe kann es allerdings sein, dass Dein Anatolischer Hirtenhund Arthrose entwickelt.

Woher kommt der Kangal?

Der Anatolische Hirtenhund kommt aus der Türkei. Die Rasse ist schon so unendlich alt, dass es schwer ist, die genauen Ursprünge zurückzuverfolgen und zu sagen, ab wann der große, stolze Hund wo auf welche Art von Tieren aufgepasst hat.

Der Kangal gilt heute als der Nationalhund der Türkei. Vermutlich wurde der imposante Wautz ursprünglich jedoch einmal aus Zentralasien von Nomaden in die Türkei gebracht. Die Aufgabe des Kangals war damals schon, die Herden der umherziehenden Völker vor Angreifern zu schützen.

Im Osten der Türkei könnte er zu frühen Zeiten vor allem auf Akkaraman-Schafe aufgepasst haben. Die haben mit ihrer dunkel gefärbten Schnute (mit reichlich Fantasie) etwas Ähnlichkeit mit den Kangals. So konnten die wachsamen Hunde sich unter die Leute … nein, unter die Schafe mischen und dort unauffällig für den nötigen Schutz sorgen.

Der Name der Hunde stammt übrigens vermutlich von der Stadt Kangal ab. Sie liegt in der Provinz Sivas im Zentrum der Türkei. Hier soll es besonders zuverlässige und uniform aussehende Tiere dieser Hunderasse gegeben haben, sodass der Kangal nach diesem Ort benannt worden sein soll.

Darf man einen Kangal in Deutschland halten?

Grundsätzlich darfst Du einen Kangal in Deutschland halten. In zwei Bundesländern gilt die Rasse jedoch – neben weiteren Hunderassen – als gefährlicher Hund. In diesen beiden Bundesländern gibt es für den Hirtenhund daher besondere Auflagen:

  • Hamburg
    Wer einen gefährlichen Hund in Hamburg halten möchte, braucht dafür eine Erlaubnis (§ 14 HundeG). Hier im hohen Norden werden Kangals und Kreuzungen mit dieser Rasse als gefährlich eingestuft. Genauer gesagt gelten hier laut § 2 Hundegesetz (HundeG) verschiedene Hunderassen als gefährlich. Für einige Hunde ist dies immer so. Für andere Hunderassen wie den Kangal gilt das nur so lange, bis der Hund einen Wesenstest bestanden hat, der das Gegenteil belegt.
  • Hessen
    Auch in Hessen wird bei bestimmten Hunderassen oder Kreuzungen mit ihnen eine Gefährlichkeit vermutet. Der Kangal gehört laut der hessischen Gefahrenabwehrverordnung über das Halten und Führen von Hunden (HundeVO) dazu. Um einen Kangal halten zu dürfen, muss der Halter oder die Halterin seine bzw. ihre Sachkunde nachweisen. Der Hund muss außerdem einen Wesenstest bestehen.

Was kostet ein Kangal?

Möchtest Du einen Kangal als Welpen vom Züchter kaufen, wirst Du gut 1.200 bis etwa 2.000 Euro für Deinen neuen tierischen Begleiter bezahlen müssen. Bevor Du Dich für einen Kangal entscheidest, überlege aber bitte, bitte noch einmal, ob Du dem Hund auch wirklich gerecht werden kannst.

Hast Du für Dich gründlich überlegt und festgestellt, dass es tatsächlich ein Kangal sein soll, schaue unbedingt vor dem Gang zum Züchter einmal im örtlichen Tierheim vorbei. Dort sitzen viel zu häufig Kangals und hoffen sehnsüchtig auf ein neues Zuhause.

Wir würden gern etwas anderes schreiben, aber: Sei Dir bewusst, dass Du Dir mit einem Kangal aus dem Tierheim vermutlich eine noch größere Aufgabe ins Haus holst, als der Kangal ohnehin schon ist. Ein Hund, der dort (leider viel zu oft) über Jahre gesessen hat, kann Verhaltensauffälligkeiten entwickelt haben. Lass Dich daher besonders gut, ausführlich und in aller Ruhe beraten. So habt Ihr zwei, der Hund und Du, die besten Chancen auf ein Happy End.

Wir wünschen ganz viel Glück! ♥


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