Rasseporträt: Ragdoll

Die Ragdoll ist eine große Katzenrasse aus den USA. Ihre Entstehungsgeschichte ist fast schon absurd. Denn: Diese Katze ist patentiert.

Die Ragdoll ist eine wunderschöne Katze
Rasseporträt Ragdoll ©Larasoul/iStock

Die Herkunft der Ragdoll

Was die Ragdoll von vielen anderen Katzenrassen unterscheidet, sind nicht nur ihre strahlend blauen Augen und das wunderschöne lange Fell, sondern vor allem ihre Herkunft.

Ragdolls gibt es noch nicht allzu lange. Die Rasse existiert erst seit den 1960er-Jahren. Ihre Entstehung verdankt die edle Katzenrasse einem Zufall und dem züchterischen Engagement einer Frau.

Alles begann in Kalifornien mit einer Freigängerin namens Josephine, die einer Angora ähnelte. Die Katze bekam Kitten von einem Kater und Josephines Besitzerin gab ihrer Nachbarin Ann Baker einen der männlichen Nachkommen. Diese Nachbarinerkannte das Potenzial des Katers, der wunderschön aussah und die Zeichnung einer Birmakatze besaß. Sie kreuzte den Kater mit verschiedenen Katzen und gründete so eine Linienzucht.

Ragdoll: Meine Traumkatze
  • Müller, Carolin (Autor)

Eine Katze mit Patent

Ann Baker entwarf strenge Zuchtvorgaben und kassierte für jedes Tier aus ihrer Linie eine Lizenz-Abgabe. Zudem beschritt die ehrgeizige Frau einen in der Katzenzucht recht ungewöhnlichen Weg: Sie ließ ihre neue Katzenrasse patentieren. Das führte dazu, dass sich immer mehr Züchter von der Ursprungslinie abwandten und nach den beiden Züchterfamilien Chambers und Dayton weiterzüchteten.

Diese beiden Familien hatten sich frühzeitig von Baker getrennt und ihre Arbeit somit lizenzfrei fortgesetzt. Die Daytons besaßen den Zwinger “Blossom-Time”, die Chambers den Zwinger “Ragnarok”. Fast alle heutigen in Europa vorkommenden Ragdolls stammen von Vorfahren aus diesen beiden Züchterhaushalten ab.

Wie die Ragdoll zu ihrem Namen kam

Ragdoll ist ein recht ungewöhnlicher Name für eine Rassekatze. Ins Deutsche übersetzt heißt das englische Wort „Lumpenpuppe” oder “Stoffpuppe“. Dies war der Tatsache geschuldet, dass sich Ann Bakers Katzen jedes Mal beim Hochheben schlaff hängen ließen, eben wie eine Puppe aus Stoff.

Dieser Umstand sorgte für Spekulationen. Man nahm an, dass mit den Katzen etwas nicht stimmte. Es folgten Untersuchungen hinsichtlich des Schmerzverhaltens. Es waren allerdings keine Abweichungen festzustellen. Vermutlich ist das Hängenlassen nur ein Zeichen von Entspannung.

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Wie sieht die Ragdoll aus?

Die Ragdoll gehört mit einer Schulterhöhe von bis zu 40 cm zu den Top 5 der größten Katzenrassen der Welt. Sie ist der Gigant unter den langhaarigen Point-Katzen. Von der Nasen- bis zur Schwanzspitze misst die Katze 100 cm bis 120 cm. Mit ihrem muskulösen Körper und der breiten Brust wirkt sie sehr imposant.

Eine dichte Halskrause verstärkt den majestätischen Eindruck der Ragdoll. Die Katzen dieser Rasse wiegen meist zwischen 4,5 kg und 6,5 kg. Unter den Katern gibt es aber einige Schwergewichte, die bis zu 10 kg auf die Waage bringen.

Wer sich für die stattliche Maine Coon begeistert und sich gern am Anblick der herrlich blauen Augen einer Siam sattsieht, hat mit der Ragdoll seine Traumkatze gefunden.

Übrigens: Diese Katzen haben die schönsten Augen

Die große Katze mit den Points

Die Ragdoll ist eine Point-Katze. Diese Gemeinsamkeit teilt sie mit der Siamkatze und einigen weiteren Tieren wie der Birma und der Neva Masquarade. Auch die Devon Rex, die zu den kleinsten Katzenrassen der Welt zählt, trägt manchmal diese Fellfarbe. Den Points liegt eine genetische Besonderheit zugrunde.

Die wunderschöne Fellfarbe der Ragdolls ist eine Folge des Akromelanismus, einer Art Teil-Albinismus. Dank einer genetischen Mutation bilden sich im Fell der zentralen Körperregionen keine Pigmente. Von dieser Pigmentierungsstörung ausgeschlossen sind die kühleren Areale wie die Ohren, der Schwanz, die Pfoten, die Nase mit Teilen des Gesichts sowie die Hoden. Dadurch ergibt sich eine besonders schöne Zeichnung der Rasse. Die dunkelgefärbten Stellen heißen in der Fachsprache „Points“.

Da es im Bauch der Mutterkatze kuschelig warm ist, kommen die Kitten der Ragdoll beim Züchter weiß zur Welt. Nach und nach färben sich die Körperteile jenseits der Körpermitte dunkler. Einige Katzen sind erst nach drei bis vier Jahren ausgefärbt. Dann haben sie auch ihre Endgröße erreicht.

Manche Katzen dieser Rasse dunkeln mit zunehmendem Alter stark nach. Das passiert vor allem dann, wenn sich die Ragdoll viel in einer kühleren Umgebung aufhält, beispielsweise beim Freigang.

So bunt ist die Ragdoll

Was bei allen Ragdolls gleich ist, sind die Points. Dennoch gibt es die hübschen Katzen in den unterschiedlichsten Farbschlägen, denn die Points weisen nicht immer dieselbe Nuance auf.

Die Points zeigen die Grundfarbe der Katze, die diese ohne die Genmutation besäße. Es gibt Points in verschiedenen Grundfarben. Es sind aber auch Scheckungen möglich.

Grundfarben der Ragdoll:

  • Seal Point: Schwarz
  • Chocolate Point: Braun
  • Red Point: Rot
  • Blue Point: Blau als Verdünnung von Schwarz
  • Lilac Point: Lilac als Verdünnung von Braun
  • Cream Point: Creme als Verdünnung von Rot
  • Tortie Point: dreifarbige Grundfarbe, nur bei Weibchen möglich
  • Torbie Point: sowohl Tortie als auch Tabby, nur Weibchen

Mögliche Varianten:

  • Colourpoint: volle Maske, point-typisches Aussehen
  • Tabby oder Lynx: Points mit Streifen
  • Mitted: Kinn und Vorderpfoten weiß, hinten weiß gestiefelt
  • Bicolour: dreieckige, weiße Gesichtsmaske von der Stirn bis zum Kinn, weiße Brust, weiße Unterseite und weiße Pfoten

Der Charakter der Ragdoll

Die Ragdoll ist eine unkomplizierte Katze. Als gutmütiges Tier mit sanftem Charakter verträgt sie sich meist gut mit anderen Vierbeinern und eignet sich auch als Katze für Kinder. Sie besitzt eine soziale Ader und erweist sich im Umgang als verspielt und sehr verschmust. Ragdolls lieben ihre Menschen und suchen immer wieder deren Nähe.

Möchtest Du die Ragdoll als reine Wohnungskatze halten, dann freut sich die Katze oder der Kater über die Gesellschaft eines Artgenossen. (Lies dazu auch: Darum sind Katzen zu zweit glücklicher.) Vielleicht kannst Du vom Züchter gleich ein Geschwisterchen miterwerben. Du selbst genießt dann mehr Freiheit und kannst auch mal länger außer Haus bleiben.

Da Ragdolls sehr neugierige und auch aktive Tiere sind, benötigen sie in der Wohnungshaltung ausreichend Beschäftigung in Form von Kratzbäumen, Kletter- und Spielmöglichkeiten.

Die intelligenten Stubentiger brauchen neben der körperlichen aber auch unbedingt geistige Auslastung. Intelligenzspiele für Katzen sind daher ideal für die schnurrenden Denker. Sie lieben außerdem Streicheleinheiten und anregende Spiele über alles.

Die Pflege der Ragdoll

Bei der Pflege ist die langhaarige Ragdoll überraschend bescheiden. Das mittellange, seidig glänzende Fell verfügt nur über wenig Unterwolle. Der Pflegeaufwand ist zwar höher als bei einer Katze mit kurzem Haar, wie etwa der Britisch Kurzhaar, aber dennoch überschaubar.

Es reicht vollkommen aus, wenn Du die Ragdoll einmal wöchentlich bürstest. Nur im Fellwechsel lohnt sich eine häufigere Pflege. Ein paar Tipps für diese Zeit haben wir übrigens hier: So erleichterst Du Deiner Katze den Fellwechsel. ♥