Nickhautvorfall bei der Katze: Ursachen und Hilfe

Ein Nickhautvorfall bei der Katze ist nicht harmlos. Er behindert sie beim Sehen und kann ein Hinweis auf andere – auch ernste – Krankheiten sein.

Nickhautvorfall bei Katzen
Einen Nickhautvorfall bei der Katze solltest Du nicht auf die leichte Schulter nehmen. ©Ekaterina Chizhevskaya/iStock

Beim Blickkontakt mit Katzen sieht man manchmal ein dünnes Häutchen, das sich seitlich vom Nasenrand her über das Auge schiebt. Vor allem, wenn die Katze gerade aufwacht und noch müde und entspannt ist, lässt es sich gut beobachten.

Im Auge behalten musst Du diese Hautfalte nur dann, wenn sie sich nicht mehr zurückzieht. Dann spricht man von einem Nickhautvorfall am Auge der Katze. Hier bekommst Du alle Infos rund um Symptome, Ursachen und Möglichkeiten der Behandlung.

Was ist die Nickhaut?

Das dünne, beinahe transparente Häutchen wird auch als drittes Augenlid (Palpebra tertia) bezeichnet und heißt im Fachausdruck Nickhaut (Plica semilunaris conjunctivae).

Es handelt sich um eine dünne Bindehautfalte, die sich vom inneren Augenrand über das Katzenauge schieben kann. Den meisten Wirbeltieren dient die Nickhaut dazu, die Augen feucht zu halten.

Dass Deine Katze nur selten blinzelt, hast Du sicher schon bemerkt. Umso wichtiger ist die Nickhaut für sie, die das große und stark beanspruchte Katzenauge pflegt und befeuchtet.

Auch wir Menschen besitzen eine Nickhaut. Diese ist aber bei allen Primaten verkümmert, da unsere beiden Lider das Auge genügend befeuchten können.

Nickhautvorfall bei der Katze
Die Einschränkung des Sichtfelds ist lästig und gefährlich für Katzen. ©krblokhin/iStock
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Symptome: Nickhautvorfall bei der Katze erkennen

Eine sichtbare Nickhaut im Augenwinkel von Katzen ist kein Grund zur Besorgnis. Erst dann, wenn sich diese im vollen Wachzustand des Tiers nicht zurückschiebt, musst Du die Samtpfote gut beobachten. In manchen Fällen bedeckt die Nickhaut nämlich einen großen Teil des Augapfels und damit die Pupille. So schränkt sie die Sicht ein.

Wenn sich diese Auffälligkeit bei Deiner Katze nicht zurückbildet, kannst Du von einem Nickhautvorfall ausgehen. Das vorgefallene Augenlid ist somit ein Symptom, das auch Laien leicht erkennen können.

Von einem Nickhautvorfall ist in einigen Fällen nur eines der Augen betroffen. Manchmal zeigt sich eine vorgefallene Nickhaut aber auch an beiden Augen. Weiter unten verraten wir Dir, wie dieser Unterschied dem Tierarzt bei der Ursachenfindung hilft.

Ist ein Nickhautvorfall der Katze gefährlich?

Nein. Ein Nickhautvorfall per se ist nicht gefährlich im Sinne von lebensbedrohlich oder gar tödlich. Es handelt sich bei der vorgeschobenen Bindehaut „nur“ um ein Symptom, wie Husten oder Durchfall bei Katzen oder auch bei uns Menschen. Diese Symptome können – wie das vorgeschobene dritte Augenlid – auf harmlose Ursachen genauso hindeuten wie auf schlimmere Krankheiten.

Wichtig ist deshalb eine genaue Diagnose für den Vorfall. Erst dann steht fest, ob ein gefährlicher oder harmloser Auslöser hinter dem Symptom steckt.

Der Nickhautvorfall selbst tut unseren Katzen nicht weh und verursacht auch keine körperlichen Schäden. Bei längerer Dauer ohne Behandlung können allerdings Symptome wie Nervosität, Unruhe, Anspannung, Unsicherheit und schließlich Angst hergerufen werden. Man kann sich denken, was es für „Augentiere“ wie Katzen bedeutet, nur noch die Hälfte oder noch weniger ihres Gesichtsfeldes wahrnehmen zu können. Was Hunden ihre Nase, ist Katzen ihr Auge – Tag und Nacht! Mit diesem Sinnesorgan nehmen die Samtpfoten den Großteil der Reize aus ihrer Umwelt wahr.

Im Extremfall ist durch den Vorfall des dritten Lides das Gesichtsfeld der Katze so eingeschränkt, dass unsere Stubentiger nicht mehr einschätzen können, wo und wie sie sich bewegen, wo genau sie laufen und aus welcher Höhe sie springen können.

Wenn die Ursachen ohne Behandlung bleiben, können alle möglichen Folgekrankheiten entstehen. Bringe Deine Katze deshalb unbedingt zur Behandlung zum Tierarzt Deines Vertrauens, auch wenn ein Nickhautvorfall keine lebensbedrohliche Erkrankung und auch kein gefährliches Symptom darstellt. Er kann den Auslöser finden und Krankheiten entdecken oder ausschließen.

Katze mit Nickhautvorfall
Der Nickhautvorfall kann an einem Auge oder auch an beiden auftreten. ©Watcha/iStock

Welche Ursachen hat ein Nickhautvorfall bei der Katze?

Für die Tiermedizin ist vor allem ein Unterschied wichtig, um die Ursachen für den Nickhautvorfall herauszufinden. Ist ein Auge betroffen, ist dies ein Hinweis auf eine spezifische Erkrankung des betroffenen Auges oder seiner Umgebung (bakterielle oder virale Entzündungen).

Tritt der Nickhautvorfall auf beiden Seiten auf, geht der Tierarzt von einer systemischen Erkrankung im Hintergrund aus (Nervensystem, Verdauungssystem). Dann betrifft der Nickhautvorfall das Allgemeinbefinden der Tiere. Dafür hat die Tiermedizin verschiedene Fachausdrücke. Im Folgenden erklären wir sie.

Harmlose Ursachen

Katzen sind sehr sensibel und reagieren auf Veränderungen in ihrer Umgebung mit Anspannung und Nervosität. Gründe für Stress bei Katzen sind Umzüge, der Wechsel der Bezugsperson, längere Autofahrten (Urlaub) oder auch die Erweiterung der Katzenfamilie.

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Wenn ein Nickhautvorfall aufgrund von Anspannung oder Stress entsteht, sprechen wir von „harmlosen“ Ursachen, die sich wieder legen, sobald sich die Katzen beruhigt haben.

Wenn Du Deine Katze länger nicht mehr entwurmt hast, kann es sein, dass sie mit der Zeit durch die Parasiten in ihrem Verdauungssystem stark abmagert. Ein Nickhautvorfall kann die Folge sein.

Auch eine einfache Bindehautentzündung des Katzenauges kann ohne Behandlung zu einem Nickhautvorfall führen.

Ein Tierarzt untersucht die Nickhaut bei der Katze
Der Tierarzt kann den Auslöser für den Nickhautvorfall finden. ©Remains/iStock

Erkrankungen

Horner-Syndrom

Bei dieser Erkrankung ist meist nur ein Auge betroffen. Der Augapfel scheint eingesunken, die Lider öffnen sich nicht mehr vollständig. Die Ursachen können sein:

  • eine Nervenschädigung, ausgelöst durch Entzündungen und Abszesse in der Umgebung des Auges (z. B. am Ohr)
  • ein Tumor
  • eine Verletzung durch einen Unfall oder Streit/Rangordnungskämpfe

Die genaue Ursache lässt sich oft nur durch aufwendige Untersuchungen feststellen. Der Tierarzt wird Dich beraten, wie am besten vorzugehen ist. Manchmal ergibt es Sinn, abzuwarten, weil es beim Horner-Syndrom je nach Ursache auch zu Spontanheilungen kommt.

Für eine genaue Diagnostik kommen Röntgenaufnahmen des Schädels, eine Computertomografie CT oder eine Magnetresonanztomografie MRT infrage. Diese Untersuchungen sind sehr kostenintensiv. Hast Du keine Versicherung für die Katze, kann das ein Problem sein. Natürlich sind uns unsere Schätze alles Geld der Welt wert, aber sind die Mittel gerade knapp, kann eine solche Untersuchung ein zusätzliches Loch in die Haushaltskasse reißen. Deine Katze muss diese Behandlung außerdem immer in Narkose über sich ergehen lassen, was für den Organismus Deines Lieblings eine Belastung darstellen kann.

Manche Tierärzte entscheiden sich für eine genaue Diagnose für eine Liquoruntersuchung. Liquor ist eine Nervenflüssigkeit, die mittels einer Punktion aus dem Rückenmark von Katzen entnommen wird.

Haw-Syndrom

Wenn Katzen auf beiden Augen Symptome eines Nickhautvorfalls zeigen und zusätzlich schwach und krank wirken, wird der Tierarzt von einem Haw-Syndrom ausgehen. Meist wird es durch hartnäckige Parasiten wie Giardien ausgelöst. Der Augapfel wirkt eingesunken, die Katzen sind stark abgemagert und weisen Zeichen von Muskelschwund auf. Aufgrund von Erbrechen und Durchfällen wirken sie zudem stark dehydriert.

Katzenschnupfen

Beim Katzenschnupfen handelt es sich um eine häufige Erkrankung, die behandelt werden muss. Sie wird durch eine Kombination mehrerer Bakterien und Viren hervorgerufen. Auch sie kann zu einem Nickhautvorfall bei der Katze führen. Eine vorbeugende Impfung wirkt!

Feline Dysautonomie

Es handelt sich um eine gefährliche Systemerkrankung des Nervensystems der Katzen. Der Nickhautvorfall ist begleitet von anderen Symptomen wie trockenen Augen, dauerhaft erweiterten Pupillen, Verdauungsproblemen und einem schlechten Allgemeinzustand. Leider führt diese sehr seltene Erkrankung bei zwei Drittel aller Katzen zum Tod.

Zeigt Deine Katze die beschriebenen Symptome, ist es aufgrund der Seltenheit der Krankheit viel wahrscheinlicher, dass eine harmlosere Ursache vorliegt. Bleib bei einem Vorfall des dritten Lides ruhig und bringe Deinen Stubentiger zum Tierarzt. Je früher Du Klarheit hast, umso schneller bist Du beruhigt.

Katze mit Nickhautvorfall beim Tierarzt
Begeisterung sieht anders aus. Aber die Tropfen helfen sicher. ©Olga Ihnatsyeva/iStock

Muss die Katze bei einem Nickhautvorfall zum Tierarzt?

Kein Laie kann feststellen, was genau die Ursachen für den Vorfall bei der Katze sind. Dies ist aber für eine entsprechende Therapie nötig. Beispielsweise müssen Parasiten als Ursache anders bekämpft werden als Katzenschnupfen. Bei Stress als Ursache wird anders vorgegangen als bei einer Bindehautentzündung. Deshalb solltest Du Deinen Liebling immer zum Tierarzt bringen, wenn der Vorfall des dritten Lides nicht innerhalb von einem oder zwei Tagen wieder verschwindet.

Therapie: Wie wird ein Nickhautvorfall bei der Katze behandelt?

Weil so viele verschiedene Ursachen hinter dem Symptom stecken können, muss ein gewissenhafter Tierarzt verschiedene Untersuchungen durchführen, bevor er eine Entscheidung über die Therapie trifft.

Eine bakterielle Infektion des Auges ist oft am einfachsten zu diagnostizieren. Gegen Bakterien helfen verschiedene Antibiotika in Tropfenform oder als Salbe. Nach wenigen Tagen sollte Deine Katze wieder bestens sehen können.

Bei Entzündungen, deren Ursache zunächst nicht eindeutig feststellbar ist, werden oft breit wirkende, entzündungshemmende Tropfen verschrieben. Diese müssen konsequent in den vorgeschriebenen Intervallen eingetropft werden.

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Liegt die Ursache im Befall durch Parasiten, muss die Katze rasch entwurmt werden. Als Katzenhalter bist Du mit dieser Prozedur sicher schon vertraut. Die meisten Tierärzte empfehlen eine regelmäßige Wurmkur für die Katze in jedem Quartal, also alle drei Monate.

Bei Katzenschnupfen und dem Horner-Syndrom werden stärkere Antibiotika in Tablettenform oder – wenn nötig – als Infusionen verabreicht.

Bei allen anderen Erkrankungen (Erkrankungen des Nervensystems, Tumore) unterscheidet sich die Therapie von Fall zu Fall.

Helfen Hausmittel bei einem Nickhautvorfall?

Auch hier lässt sich wie bei den Fragen weiter oben keine allgemeingültige Aussage treffen. Zu viele mögliche Ursachen lassen eine einheitliche Aussage über Hausmittel nicht zu. Doch wenn Du vom Tierarzt eine klare Diagnose hast, kannst Du ihn fragen, ob es auch andere Mittel zur Therapie gibt. So können die Ursachen vielleicht ebenfalls beseitigt werden und der Vorfall verschwindet hoffentlich schnell. Gehe jedoch kein Risiko ein! Probiere keinesfalls auf gut Glück herum! Es geht um die Augen Deiner Katze! Zeigt die alternative Behandlung keinen Erfolg, lass das vorgefallene dritte Augenlid besser konventionell behandeln.

Nicht als Hausmittel, aber doch als alternative Behandlungsmöglichkeit, gilt die Akupunktur. Einige Katzen sprechen darauf an, doch nur wenige unserer sensiblen Stubentiger lassen sich auf diese Weise therapieren.

Du kannst aber niemals etwas falsch machen, wenn Du das Stressempfinden Deiner Katze reduzierst. Ein eingeschränktes Gesichtsfeld – erst recht auf beiden Seiten – bedeutet sicher eine große Belastung für Deinen Schatz. Widme ihm in dieser Zeit viel Aufmerksamkeit, verwöhne ihn öfter und setze auf Entspannung: Katzenminze kann Deine Samtpfote genauso von ihrem Problem ablenken wie Baldrian, auf den manche Katzen mit Leidenschaft reagieren. Evtl. ist auch CBD-Öl für Katzen eine gute Lösung für Dein Tier.

Du kannst außerdem Räume mit Pheromonen bedampfen, die auf Deine Katze beruhigend und entspannend wirken. Der Markt bietet hier mittlerweile viele Möglichkeiten der Entspannungstherapie. Auch bei unseren Samtpfoten gilt das Prinzip der Ganzheitlichkeit: Damit der Körper gesund wird, muss auch die Seele gesund sein.

Katze mit vorgeschobenem dritten Augenlid
Ein Nickhautvorfall bei der Katze kann schwach oder stark ausgeprägt sein. Hilf Deiner Katze schnellstmöglich! ©Mary Swift/iStock
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Muss man den Nickhautvorfall operieren?

Ein Muss ist eine OP nicht. Wenn sich der Vorfall jedoch trotz Beseitigung aller Ursachen nicht zurückbildet, ist eine Operation in einer Tierklinik unter Umständen eine Möglichkeit, der Katze zu helfen.

Wie lange hält der Nickhautvorfall bei der Katze an?

Wenn Du die gesamte Dauer von der Diagnose bis zum Verschwinden des Symptoms rechnest, solltest Du von zwei bis vier Wochen ausgehen. Dann sollte Deine Katze wieder ungehindert sehen können.

Der Tierarzt braucht einige Zeit, um Schritt für Schritt die verschiedenen Ursachen für den Vorfall bei Deiner Katze auszuschließen. Wenn der Grund gefunden ist, braucht es Zeit für die therapeutischen Maßnahmen. Deshalb ist hier etwas Geduld gefragt.

Kann man vorbeugen?

Zum Teil. Du kannst dann vorbeugen, wenn Du weißt, weshalb es zu einem Vorfall des dritten Lides gekommen ist. War Zugluft in der Wohnung an der entstandenen Bindehautentzündung schuld, musst Du dies vermeiden. Waren Parasiten die Ursache, musst Du Deine Katze öfter entwurmen bzw. anderen ungebetenen Gästen vorbeugen.

Wenn Deine Katze noch nie einen solchen Vorfall hatte, kannst Du auch nicht vorbeugen. Wenn Du nicht weißt, worauf Deine Katze empfindlich mit einem Nickhautvorfall reagiert, kannst Du sie auch nicht davor schützen.

Ist ein Nickhautvorfall ansteckend?

Nein. Da der Vorfall der Nickhaut selbst nicht durch Mikroben (Bakterien, Pilze, Viren) hervorgerufen wird, ist er nicht ansteckend. Aber wie weiter oben beschrieben wurde, können verschiedene Auslöser dahinterstecken. Diese Auslöser können sich sehr wohl von einer Katze auf die andere übertragen, wie beispielsweise Giardien oder die Kombination von Erregern bei Katzenschnupfen. Das heißt aber nicht, dass jede Katze mit einem Nickhautvorfall auf eine Ansteckung gleich reagiert.

Wir wünschen Dir und Deiner Katze alles Gute! ♥