Border Collie: Fleißiger Arbeiter mit Herz

Im Border Collie steckt ein echtes Superhirn. Die fleißigen Hütehunde begeistern durch Intelligenz und Geschick. Genau das ist aber auch ihr Problem.

Border Collie im Freien
Wunderschön und blitzgescheit ist der Border Collie. ©Tepepa79/iStock

Es gibt wohl kaum eine Hunderasse, der aufgrund ihrer Intelligenz solche Berühmtheit widerfahren ist wie dem Border Collie. Die Hunderasse gilt als der Schäferhund schlechthin und das aus einem guten Grund: Die Hunde begeistern mit ihrem Arbeitseifer, dem selbstständigen Denken und ihrem beeindruckenden Talent beim Hüten von Schafen.

Doch da hört die Intelligenz der Hütehunde noch nicht auf. Vielleicht erinnerst Du Dich noch an den Hund Rico. Der Border Collie wurde in Deutschland 1999 schlagartig berühmt, weil er bei „Wetten, dass ..?“ unter Beweis stellte, dass er 77 Wörter dem jeweiligen Spielzeug zuordnen konnte.

So beeindruckend die Intelligenz des Border Collies ist, so bringt sie den Hunden leider auch einige Nachteile. In unserem Rasseporträt über den Border Collie erfährst Du alles, was Du über Aussehen, Charakter, Pflege und Erziehung des flauschigen Superhirns wissen musst.

Der Border Collie ist ein Hütehund
„Schafe? Sehe ich da Schafe?“ ©Tepepa79/iStock

Wie sieht ein Border Collie aus?

Man sieht dem Border Collie sofort an, dass er eine fleißige Arbeitsbiene ist. Der Hütehund hat einen harmonischen und gleichmäßig proportionierten Körper. Trotz seiner Muskelkraft wirkt der Hund nicht massig oder schwerfällig. Im Gegenteil: Seine Bewegungen sind sehr elegant und geschmeidig, die Pfoten heben sich beim Laufen kaum vom Boden. Besonders wenn der Hund in den „Arbeitsmodus“ schaltet, ist es eine wahre Freude, ihm dabei zuzusehen. Der Border Collie kann sehr schnell laufen und weist eine hohe Ausdauer auf.

Das Fell des Collies gibt es nach dem Rassestandard der FCI in zwei Varianten:

  • mittellang und glatt oder
  • als Kurzstockhaar.

Hunde mit einem mittellangen Fell haben meistens noch mal ausgeprägt längere Haare am Hals und an der Brust (Mähne), der Rute und den Ohren (Fahnen) sowie an der Rückseite der Oberschenkel (Hosen).

Nach dem Rassestandard kann das Fell in vielen unterschiedlichen Farben auftreten. Typische Kombinationen sind schwarz-weiß oder Blue-Merle. Auch Brauntöne wie beispielsweise Tan können bei dem Hund vorkommen. Der Weißanteil sollte bei Welpen jedoch nie überwiegen.

Ein Border Collie beim Hüten
Geduckt im Gras sieht man den Border Collie häufig, wenn er hütet. ©Kesu01/iStock

Wie groß ist ein Border Collie?

Rüden werden durchschnittlich 48 bis 56 cm groß und Hündinnen 46 bis 53 cm. Der Border Collie gehört damit zu den mittelgroßen Hunderassen.

Wie schwer ist ein Border Collie?

Da von den Hütehunden bei ihrer Arbeit vor allem Schnelligkeit und Wendigkeit gefordert werden, sind die Hunde auch nicht besonders schwer. Rüden wiegen durchschnittlich zwischen 14 und 20 kg und Hündinnen zwischen 12 und 19 kg.

Wie alt wird ein Border Collie?

Die viele frische Luft bei der Arbeit scheint den Border Collies gutzutun. Die Rasse gehört zu den überdurchschnittlich gesunden und langlebigen Hunderassen. Die Lebenserwartung des Collies liegt zwischen 12 und 15 Jahren. Bei guter Pflege und Gesundheit können einige Hunde sogar bis zu 18 Jahre alt werden. So alt werden nur wenige, besonders langlebige Hunderassen.

Ein Border Collie in voller Fahrt
Familien sollten sich gut überlegen, ob der Border Collie zu ihrer Familiensituation passt, denn diese Hunderasse ist nicht einfach zu halten. ©malamooshi/iStock

Welchen Charakter bzw. welches Wesen hat der Border Collie?

Steigen wir gleich beim Offensichtlichen ein: Eines der auffallendsten Merkmale der Hunde ist ihre Intelligenz. Die Rasse wird in der Hundewelt allgemein als die intelligenteste Hunderasse der Welt betrachtet. Die Hunde besitzen einen wachen, aufmerksamen Geist – und dieser möchte auch gefordert werden.

Das Wesen der Hütehunde ist daher geprägt von

  • Wachsamkeit,
  • einer besonders guten Auffassungsgabe,
  • einem schier unermüdlichen Willen zur Arbeit und
  • einer hohen Sensibilität.

Kurzum: Der Border Collie fordert von seinen Menschen Aufmerksamkeit, Beschäftigung und Auslastung im Übermaß. Nicht nur körperlich möchten sich die Hunde austoben, sondern vor allem auch geistig.

Energiegeladener Spezialist

Züchter haben die Hunderasse jahrhundertelang auf das Hüten von Nutztieren, allen voran den Schafen, spezialisiert. Das Hüten liegt dem Hund dadurch im Blut. Erhält er keine entsprechende Beschäftigung, kann er sich sehr schnell dazu entscheiden, eben auf andere Dinge aufzupassen: die Katzen im Haus, die Kinder der Familie oder andere lebendige oder nicht so lebendige Dinge.

Ob Katzen außerordentlich erfreut sind, wenn sie plötzlich von einer wachsamen Fellschnauze herumgescheucht werden, ist fraglich. Dafür weist der Hütehund nur einen geringen Jagdtrieb auf und er eignet sich auch eher schlecht als Wachhund.

Wird der Border Collie gut im Sinne von vielseitig und reichlich ausgelastet, erweist er sich als sehr verspielter, anhänglicher und ruhiger Zeitgenosse. Sein Wille zu gefallen ist sehr ausgeprägt. Gleichzeitig gilt der Hund auch als sensibel. Härte und Gewalt sind ihm ein Gräuel – und haben in der Haltung von Hunden sowieso grundsätzlich nichts zu suchen!

Border Collie bei der Arbeit
Diese Heidschnucken haben verstanden, was zu tun ist: Wolle unter den Arm nehmen und los! ©chrisdorney/iStock

Die Geschichte des Border Collies

Die Geschichte des Border Collies ist nicht minder beeindruckend als seine Intelligenz. Erste schriftliche Überlieferungen über die Rasse gibt es bereits seit 1576 aus England. Doch bereits die Römer und die Wikinger sollen von fleißigen und klugen Hütehunden berichtet haben, die sie aus dem damaligen Britannien mitgebracht haben.

Die gezielte Zucht des Border Collies als fleißiger Hütehund begann schließlich gegen Ende des 19. Jahrhunderts in England. Der Hund Old Hemp des Farmers Adam Telfer erwies sich als ausgesprochen kluger und geschickter Hütehund bei den heimischen Schafen. Begeistert vom Geschick des Hundes, begann Telfer mit der Rassenzucht. Old Hemp gilt heute als Stammvater vieler Border-Collie-Linien.

Ihren Namen bekamen die Hunde übrigens aus dem Englischen bzw. Schottischen: ihr Ursprungsort, die Grenzregion (border) zwischen Schottland und England, wurde um die schottische Umschreibung für „nützlicher Gegenstand“ (collie oder colley) ergänzt.

Seit 1910 wird die Rasse von der International Sheep Dog Society allein auf ihre Arbeitsleistung hin gezüchtet. Im Gegensatz zu vielen anderen Hunderassen wurde hier kein einziger Rassestandard für das Aussehen festgelegt. Stattdessen konzentrierte sich die Zucht hauptsächlich auf die Fähigkeit als Hütehund. Erst, als der Border Collie 1975 von der FCI offiziell anerkannt wurde, änderte sich dies.

Immer noch geben viele Züchter ihre Welpen ausschließlich an Schäfer oder Landwirte ab. Von einigen Züchtern wird der Hund jedoch auch verstärkt als Familienhund verkauft. Diese Familien stellen die Erziehung und Haltung des Border Collies jedoch oft vor enorme Herausforderungen.

Ein Border Collie liegt im Feld
Border Collies brauchen vor allem Auslastung im Kopf. ©JSX80/iStock

Border Collie: Die richtige Haltung und Erziehung

So süß und intelligent die Hunde sind, so eignen sie sich eher schlecht als reine Familienhunde. Selbst für Menschen, die sich als sehr sportlich betrachten, ist der Border Collie nicht unbedingt die richtige Wahl. Die Hunde können Dich zwar täglich beim Joggen, Fahrradfahren und Schwimmen begleiten – am Ende des Tages sind sie dennoch immer noch nicht ausgelastet und gucken Dich abwartend an, welcher Berg als Nächstes erklommen werden soll.

Der Border Collie benötigt neben einer sportlichen Auslastung unbedingt geistige Beschäftigung. Wird er als reiner Familienhund gehalten, braucht er einen entsprechenden Ausgleich. Dies bedeutet für seine Menschen eine aufwendige und zeitintensive Beschäftigung mit dem Hund mit Aktivitäten wie Apportier- oder Suchaufgaben oder Intelligenzspielen – und das jahrelang.

Ihre Intelligenz macht die Erziehung der Hunde auf der einen Seite zwar einfach. Auf der anderen Seite wird sie dadurch erschwert, dass der Border Collie mehr oder weniger SOFORT durchschaut, wenn Du einen Fehler machst. Bist Du inkonsequent oder unachtsam in der Erziehung des Hundes, nutzt er dies schamlos aus. Er kennt die häufigsten Fehler in der Hundeerziehung vermutlich besser als mancher Mensch.

Weil die Hunde solche Sportskanonen sind, musst Du ihnen auch beibringen, wann die Zeit zum Entspannen ansteht. Ihr Arbeitseifer ist teilweise so ausgeprägt, dass sie ohne Rücksicht auf die Gesundheit bis zum Umfallen weiterarbeiten, wenn Du nicht eingreifst.

Zwei Border Collies
Wie könnte man sich nicht in diese traumhaften Hunde verlieben? ©cerae/iStock

Welche Pflege braucht der Border Collie?

Die Pflege erweist sich beim Border Collie als nicht besonders aufwendig. Bürste regelmäßig das Fell durch und achte darauf, dass keine Verfilzungen auftreten. Weil die Hunde wahre Naturfreunde sind, solltest Du bei der Pflege öfter kontrollieren, ob sich nicht kleine Parasiten wie Milben, Flöhe oder Zecken im Fell eingenistet haben.

Damit sein Fell weiterhin so schön glänzt, gehört auch eine gute Ernährung für den Hund zur Pflege. Als Hütehund mit einem immensen Bewegungsdrang benötigt er vor allem Hundefutter, das ihm ausreichend Energie liefert.

Welche typischen Krankheiten hat der Border Collie?

Der Border Collie zählt unter den mittelgroßen Hunderassen zu den ausdauernden Hunden mit einer sehr guten Gesundheit. Dennoch gibt es eine Reihe von rassespezifischen Erberkrankungen. Dazu gehört beispielsweise der unter Collies verbreitete MDR1-Defekt. Dieser sorgt für eine allergische Reaktion auf mehrere Medikamente. Weitere mögliche Erkrankungen sind:

  • Collie Eye Anomaly (CEA)
    Das ist ein zunehmender Verlust der Sehkraft.
  • Canine Ceroid-Lipofuszinose (CL)
    So heißt eine unheilbare, tödliche Stoffwechselerkrankung.
  • Trapped Neutrophil Syndrome (TNS)
    Dies ist eine Erkrankung des Knochenmarks.

Border Collies aus „Merle x Merle“-Würfen haben zudem häufig eine angeborene Taubheit und/oder Blindheit. Diese Variante ist in Deutschland deswegen als Qualzucht eingetragen und verboten.

Border Collie: Ein Welpe liegt im Laub
Einen Welpen bekommt man etwa ab 1.000 Euro. ©xyom/iStock

Was kostet ein Border Collie?

Der Border Collie ist sehr beliebt. Welpen gibt es bei seriösen Züchtern ab ca. 1.000 Euro und deutlich aufwärts. Gleichzeitig achten viele Züchter in Deutschland zum Glück noch darauf, dass ihre Welpen bei Leuten landen, die auch die Ressourcen und Qualitäten haben, um einen Border Collie gut und artgerecht aufzuziehen.

Noch besser ist es aber, Du schaust einmal im Tierheim nach, ob nicht ein heimatloser Border Collie nach einem neuen Zuhause sucht. Viele Hunde der Rasse landen leider häufig im Tierheim, da ihre Besitzer mit der Intelligenz und den hohen Ansprüchen der Hunde nicht gut zurechtkommen oder schlicht überfordert sind.

Wenn Du überzeugt bist, dass Du den Hunden mit den treuen Augen genau das bieten kannst, was sie brauchen, kannst Du ihnen ein neues Zuhause bieten und ihnen zeigen: Nicht alle Menschen sind mit einem intelligenten Hund überfordert. ♥