Qualzucht bei Hund und Katze: Was ist das eigentlich?

Ein süßes Näschen und kurze Beine soll der Hund oder die Katze haben? Bitte nicht, denn Qualzucht ist genau das: eine schreckliche Qual für die Tiere.

Qualzucht bei Hunden und Katzen
Dieser arme Mops leidet jeden Tag unter seiner zu kurzen Nase. ©fongleon356/iStock
• Von Qualzucht sind Hunde genauso betroffen wie Katzen.
• Die fatalen Schönheitsideale der Menschen führen zu massivem Tierleid.
• Der Tierschutzbund hat klare Forderungen. Und auch Du kannst etwas tun.

Qualzuchten entstehen dann, wenn Menschen Hunde, Katzen oder andere Tiere auf Schönheitsideale hin züchten, die diesen Tieren massiv schaden. Aber was bedeutet Qualzucht für die Tiere genau? Hier erfährst Du die leider sehr traurigen Fakten.

Wer sich mit Hunden, Katzen und anderen Tieren beschäftigt, wird früher oder später mit dem Begriff „Qualzucht“ konfrontiert. Hier beginnen sofort die Alarmglocken zu schrillen, denn schon allein der Begriff klingt für Tierfreunde gar nicht gut. Und tatsächlich ist Qualzucht ein riesiges Problem. Qualzuchten sind mit viel Leiden und gesundheitlichen Beeinträchtigungen verbunden – nicht nur für Hunde, sondern auch für Katzen und andere Tiere.

Erfahre hier, was die Qualzucht eigentlich ist, was das für Hunde und Katzen bedeutet und wie Du zum Tierschutz beitragen kannst.

Was versteht man unter Qualzucht?

Der Begriff Qualzucht wird momentan wieder häufiger in den Medien verwendet, besonders im Zusammenhang mit unseren Lieblingshaustieren: Hund und Katze. Aber was ist das überhaupt?

Unabhängig davon, ob es sich um Hunde, Katzen oder andere Tiere handelt, spricht man von Qualzucht, wenn in der Zucht wissentlich bestimmte Merkmale gefördert (oder ignoriert) werden, die für das Tier negative Auswirkungen haben.

Dies können gesundheitliche Einschränkungen, Krankheiten, körperliche Schäden, Verhaltensstörungen und andere mit Schmerzen verbundene Leiden sein. Die Tiere haben aufgrund der Zucht mit ungeeigneten Körpermerkmalen wie zu kurzen Schnauzen, deformierten Körpern, Stummelbeinen und anderen negativen Merkmalen zu kämpfen. Viele Tiere leiden ganz extrem darunter.

Sollte dieses Tier Nachkommen zeugen, könnten seine Nachkommen anschließend unter den jeweiligen Qualmerkmalen leiden. Deswegen werden immer ganze Rassen der verschiedenen Tiere als Qualzuchten bezeichnet.

Wichtig: Generell wird eine ganze Rasse als Qualzucht bezeichnet und nicht nur einzelne Tiere aus einer Rasse. Denn selbst wenn ein Hund, eine Katze oder ein anderes Tier aus einer solchen Zucht kerngesund ist und keine Beeinträchtigung, Leiden oder Schmerzen aufweist, kann dieses Tier dennoch die entsprechenden Gene in sich tragen.

Richten sich Züchter nicht nach den strengen Zuchtvorgaben, die beispielsweise in Deutschland gelten, und schließen diese Tiere von der Zucht aus, können die Qualzuchtmerkmale zum Vorschein kommen.

Brachyzephalie bei der Katze
Und das soll schön sein? Qualzucht sorgt für entsetzliche Ergebnisse bei den Tieren. ©Seregraff/iStock
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Wie entsteht eine Qualzucht?

Die Hauptgründe für die Entstehung von Qualzuchten sind Schönheitsideale, Modeerscheinungen und wirtschaftliche Interessen. Besonders bei vielen Hunderassen standen lange Zeit in der Zucht optische „Besonderheiten“ stark im Vordergrund. Auf die Gesundheit der Tiere wurde oft nicht geachtet.

Ein typisches Beispiel dafür ist der Mops. Sein flaches, knautschiges Gesicht und die (sehr) platte Schnauze galten und gelten für viele Menschen als „süß“ und „niedlich“.

Züchter in der Vergangenheit (und teilweise auch heute noch) versuchten, daraus Profit zu schlagen, indem der Rasse ein immer platteres Gesicht und eine kürzere Schnauze angezüchtet wurden. Dass der Mops damit immer schlechter atmen konnte und auch unter anderen gesundheitlichen Beeinträchtigungen leidet, war von wenig Interesse oder wurde ignoriert.

Aber nicht nur Haustiere wie Hund und Katze sind von der Qualzucht betroffen, sondern auch Nutztiere. Damit sind vor allem Tiere wie Hühner, Kühe oder Schweine gemeint, die vor allem aufgrund ihrer Leistungsstärke gezüchtet werden, ohne Rücksicht auf ihre Gesundheit. Hier ist der Hauptfaktor vor allem das wirtschaftliche Interesse.

Ist Qualzucht in Deutschland verboten?

Streng genommen ist in Deutschland die Qualzucht verboten. Im sogenannten Qualzuchtparagraf des Deutschen Tierschutzgesetzes steht:

„Es ist verboten, Wirbeltiere zu züchten oder durch biotechnische Maßnahmen zu verändern, soweit im Falle der Züchtung züchterische Erkenntnisse [...] erwarten lassen, dass als Folge der Zucht oder Veränderung [...] bei den Nachkommen die Haltung nur unter Schmerzen oder vermeidbaren Leiden möglich ist oder zu Schäden führt.“

Den kompletten Wortlaut des Gesetzes findest Du unter § 11b Tierschutzgesetz.

Das Problem: Das Gesetz kann breit definiert werden. Eine genaue Auslegung des Begriffs „Qualzucht“ und was alles darunter fällt, wird im Gesetz nicht aufgeführt. Das hat zur Folge, dass jedes Gericht im Streitfall eigenständig entscheiden kann bzw. muss, ob es sich bei bestimmten Rassen tatsächlich um Qualzuchten handelt oder nicht. Ein optimaler Tierschutz sieht anders aus.

Wie ist die aktuelle Situation in Deutschland?

Die Diskussion über Qualzuchten bei Heimtieren wie Hunden und Katzen ist noch relativ jung. Die Situation ändert sich deswegen laufend – und die Gemüter sind auf beiden Seiten erhitzt.

Der Qualzuchtparagraf wurde und wird von zahlreichen Tierschutzorganisationen und -verbänden als zu „lasch“ kritisiert. Wie bereits erwähnt, fehle es an allgemeinen Vorgaben, um bestimmte Rassen rechtlich als Qualzucht einzustufen.

Andere Organisationen, wie etwa Züchterverbände und -vereine kritisieren wiederum, dass die Bezeichnung von ganzen Rassen als Qualzucht irreführend sei. So sagt der Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH), dass Qualzuchtmerkmale nicht eine bestimmte Hunderasse im Ganzen betreffen, sondern jedem betroffenen Hund individuell nachgewiesen werden müssten.

Die bisher am weitesten reichende Maßnahme im Kampf gegen Qualzuchten wurde mit der Verschärfung und Neufassung der Tierschutz-Hundeverordnung zum 1.1.2022 eingeführt. Hunde mit Qualzuchtmerkmalen dürfen nicht mehr an Hundeshows und allen anderen offiziellen Wettbewerben teilnehmen. Davon betroffen sind Ausstellungen ebenso wie Hundesportveranstaltungen.

Labrador mit HD
Für viele ist das überraschend: Auch der Labrador gilt als Qualzucht. ©manushot/iStock

Beispiele für Qualzucht beim Hund

Wie sehen aber Qualzuchten bei Tieren nun eigentlich genau aus? Gibt es besonders häufige Merkmale? Schauen wir uns zunächst einmal die Hunde an. Nicht gerade wenige Rassen leiden unter einem oder mehreren Merkmalen, die als Qualzucht eingestuft werden. Hier findest Du häufige Merkmale bei Hunderassen, die als Qualzucht gelten.

Kurzköpfigkeit

Kurzköpfigkeit oder Brachyzephalie bezeichnet einen auffällig runden Kopf bei Hunden. Zusätzlich kommt oft eine Verkürzung der Kiefer- und Nasenknochen hinzu.
Hunde mit Kurzköpfigkeit leiden häufig unter Atemnot. Längere sportliche Aktivitäten oder selbst ein normaler Spaziergang können hier bereits zu viel sein.

Die oberen Atemwege sind durch die Kurzköpfigkeit verengt und zu kurz. Dazu kommen häufig zu kleine Nasenlöcher und -gänge. Eng verbunden ist damit auch die geminderte Fähigkeit zur Thermoregulation, also dem natürlichen Kühlungseffekt durch die Nasenatmung. Viele betroffene Hunde hecheln permanent und haben zudem ein erhöhtes Risiko eines Hitzeschlags im Sommer.

Weitere Symptome sind ständiger Tränenausfluss, Bindehautentzündungen, Erbrechen, Probleme beim Fressen, Schluckbeschwerden und Zahnfehlstellungen. Außerdem kommt es häufiger zu Fehl- und Schwergeburten durch die Hündin, weil der Geburtskanal zu klein für die sehr runden Welpenköpfe ist.
Brachyzephalie tritt häufig auf bei:
Brachyzephalie beim Mops
Wer so schwer Luft bekommt, hat weniger Energie und weniger Freude am Leben. ©fongleon356/iStock

Schwanzlosigkeit oder Kurzschwänzigkeit

Schwanzlosigkeit oder Kurzschwänzigkeit hat nichts mit dem Kupieren von Schwänzen zu tun. Dies ist in Deutschland ohnehin verboten.

Bei der Schwanzlosigkeit oder Anurie kommt der Hund bereits komplett ohne Schwanz auf die Welt.
Das Fehlen eines Schwanzes hat an sich kaum Auswirkungen auf Hunde, wenn man einmal davon absieht, dass ein schwanzwedelnder Hund das schönste überhaupt auf Erden ist.

Die Schwanzlosigkeit und Kurzschwänzigkeit tritt jedoch häufig mit einer Fehlbildung der Wirbelsäule auf. Die Entwicklung des Rückenmarks kann gestört werden, was neurologische Störungen der hinteren Körperhälfte zur Folge haben kann. Weitere mögliche Symptome sind Lähmungen der Extremitäten und Inkontinenz der Tiere.
Sporadisch und familiär gehäuft kann die Schwanzlosigkeit und Kurzschwänzigkeit auftreten bei:
Brachyurie heißt die Schwanzlosigkeit beim Hund
Die Kurzschwänzigkeit einer Bulldogge mag manch einer niedlich finden. Sie gehört jedoch ebenfalls zu den Qualzuchtmerkmalen. ©EdwinPics/iStock

Merle-Faktor

Als Merle-Faktor wird eine Farbvariation im Fell bezeichnet. Es handelt sich dabei um einen mutierten Gen-Defekt. Die Farbe äußert sich üblicherweise in Aufhellungen der Grundfarbe. Die aufgehellten Stellen sind dabei nicht deutlich abgehoben wie beim sogenannten weißen Abzeichen, sondern wirken „zerrissen“ oder „verschwommen“.
An sich ist der Merle-Faktor nicht bedenklich, es besteht jedoch ein Risiko von Taubheit und Augenproblemen. Je mehr Weißanteil im Fell vorhanden ist, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit für solche Probleme.

Werden zwei Hunde mit dem Merle-Faktor gepaart, kann das schwerwiegende Folgen für die Welpen haben, da hier das Risiko für Taubheit und Augenprobleme deutlich erhöht ist. Betroffene Welpen können zudem schwach, kränklich und unterentwickelt sein.
Merle-Faktor bei Hunden
Ein Border Collie mit Merle-Zeichnung ist ein wunderschönes Tier. Aber die Zeichnung birgt erhebliche Gefahren. ©Eudyptula/iStock

Ektropium und Entropium

Beim Ektropium rollt sich der untere Augenlidrand nach außen, beim Entropium rollt er sich nach innen. Meistens geht diese Augenkrankheit auf eine übertriebene Faltenbildung im Gesicht zurück.
Beim Ektropium können Symptome wie Tränenfluss, Konjunktivitis und Hornhautentzündungen auftreten.

Beim Entropium leidet der Hund häufig unter Hornhaut- und Bindehautirritationen und -entzündungen sowie Konjunktivitis und Keratitis.
Ektropium beim Hund
Hängende Augenlider wie bei diesem Basset Hound sind ein großes Problem für Hunde. ©oleggoncharov/iStock

Haarlosigkeit

Der Hund hat aufgrund eines Gen-Defekts bzw. einer Mutation kein oder nur wenig Fell.
Haarlose Hunde sind sehr anfällig für Hautprobleme und Allergien sowie für Parasiten wie Milben und Flöhe. Ihnen fehlt der natürliche Schutz vor der Sonne sowie der Wärmeschutz im Winter. Das macht sie zusätzlich anfällig für Krankheiten.

Außerdem ist Haarlosigkeit in einigen Fällen auch mit schwerwiegenden Gebissanomalien und Augenproblemen verknüpft.
Ein Nackthund
Der Peruanische Nackthund hat kein Fell und sehr häufig auch Gebissprobleme. ©janpla01/iStock

Kleinwüchsigkeit

Bei der Kleinwüchsigkeit oder Chondrodysplasie sind in der Regel bei Tieren die Gliedmaßen verkürzt. Die Ursache ist hier eine Störung im Knochenwachstum, hervorgerufen durch ein bestimmtes Gen in der DNA.

Durch die bewusste Selektion dieses Gens in der Zucht bei bestimmten Hunderassen gibt es heute einige Rassen, die als „kurzläufig“ bezeichnet werden.
Verbunden mit Kleinwüchsigkeit ist oft eine Fehlbildung der Zwischenwirbelscheiben. Kleinwüchsige Hunde können dadurch häufiger unter einem Bandscheibenvorfall leiden, was enorme Schmerzen auslöst.
Kleinwüchsigkeit gilt als Qualzuchtmerkmal
Die kurzen Beine mögen putzig wirken. Dieser Scottish Terrier würde sich aber sicher längere Gliedmaßen wünschen. ©Ondrej Prosicky/iStock

Tea Cup

Auch die sogenannten Tea-Cup-Hunde gehören zu den Qualzuchten. Hier werden für die Zucht die kleinsten und schwächsten Welpen eines Wurfs für die spätere Paarung ausgesucht. Das Ergebnis sind besonders kleine und leichte Hunde.
Viele Hunde in Tea-Cup-Größe leiden an dem sogenannten Wasserkopf. Dabei handelt es sich um die krankhafte Erweiterung der Wasserräume im Gehirn. Diese Krankheit ist oft nicht behandelbar und führt zum frühzeitigem Tod.

Außerdem sind die winzigen Hunde anfällig für Gehirnverletzungen und Infektionen oder Entzündungen am Auge. Gebiss- und Kieferprobleme, Atemprobleme und Herz- und Kreislaufschwäche treten ebenfalls überdurchschnittlich oft bei diesen Hunden auf.

Bei besonders kleinen Hunden ist zudem das Risiko von Knochenbrüchen und herausspringenden Kniescheiben aufgrund der fragileren Knochen erhöht. Einige Tea-Cup-Hunde können kaum einen Spaziergang bewältigen, ohne sich zu verletzen.
  • Chihuahua
  • Zwergpinscher
  • Yorkshire Terrier
  • Toy Pudel
Ein Tea-Cup-Yorkshire-Terrier
Auf eine extrem geringe Körpergröße gezüchtete Tiere gelten auch als Qualzucht. ©doptoon/iStock

Wolfshybrid

Diese Qualzucht tritt in Deutschland bislang nicht auf, kommt aber vor allem in den USA in Mode: der sogenannte Wolfshybrid oder Wolfshund. Dieser ist nicht zu verwechseln mit den sogenannten Hybridrassen wie dem Labradoodle und auch nicht mit dem Irischen Wolfshund.

Der Wolfshund entsteht durch die Paarung eines Haushundes mit dem Wolf. In Deutschland sind Wölfe streng geschützt, wodurch hier auch keine Wolfshybriden gehalten werden dürfen. Ausnahmen bilden Welpen ab der fünften Generation einer solchen Zucht, da diese dann als Hund und nicht mehr als Wolf eingestuft werden.
Bei Wolfshybriden handelt es sich vor allem deshalb um eine Qualzucht, da die Privathaltung eines Wolfhybrides in den meisten Fällen völlig ungeeignet für seine Ansprüche und Anforderungen ist. Sein Charakter unterscheidet sich stark von den seit Jahrhunderten oder sogar Jahrtausenden domestizierten Haushunden.

Das wilde, unabhängige und soziale Wesen des Wolfes ist auch noch bei der fünften Generation des Wolfhybrides stark ausgeprägt. Wird der Wolfshund jedoch nicht artgerecht gehalten, verkümmert er schnell psychisch wie physisch und entwickelt Verhaltensstörungen.
Qualzucht Wolfshybrid
Der Wolf ist ein Wildtier. Ihn mit Hunden zu verpaaren, ist alles andere als eine gute Idee. ©AB Photography/iStock

Weitere Qualzuchtmerkmale bei Hunden

Leider ist die Liste an Qualzuchtmerkmalen damit noch nicht abgeschlossen. Es gibt zahlreiche weitere Merkmale, die bestimmten Rassen das Leben schwer machen und ihnen Schmerzen bereiten. Dazu gehören unter anderem:

  • Hüftgelenksdysplasie
    Das Hüftgelenk ist nur ungenügend ausgeprägt, sodass das Gelenk instabil werden könnte. Von der Hüftgelenksdysplasie betroffene Hunderassen sind vor allem schwere Hunde wie Bernhardiner, Deutscher Boxer, Deutsche Dogge, Deutscher Schäferhund, Leonberger, Neufundländer, Labrador Retriever, Golden Retriever.
  • Übermäßige Faltenbildung
    Dieses Merkmal führt oft zu einer Reizung und Infektion der Hornhaut und birgt ein hohes Risiko für Hautkrankheiten. Dies betrifft vor allem diese Hunde: Pekinese, Basset Hound, Bloodhound und besonders Shar Pei.
  • Grey-Collie-Syndrom
    Dies betrifft ausschließlich Collies. Das Fell ist teilweise silbergrau aufgehellt, was mit einer Störung der Blutbildung einhergeht. Die Folgen sind ein hohes Risiko für Infektionen und mangelnde Infektionsabwehr, insbesondere der Schleimhäute. Es kommt zu einer erhöhten Sterblichkeit noch vor der Geschlechtsreife.
  • Dermoidzysten
    Am Rücken ist die Haut eingestülpt. Der Wirbelkanal und das Rückenmark könnten nicht vollständig getrennt sein, was zur Lähmung der Hinterläufe führt. Dies tritt ausschließlich beim Rhodesian Ridgeback und dem Thai Ridgeback auf.
  • Blue Dog Syndrom
    Hier ist das Fell blaugrau aufgehellt. Die betroffenen Tiere neigen zum Haarausfall, zu Hautentzündungen und Infektionen. Dies betrifft familiär häufig Dobermann, Greyhound, Irish Setter und Silver Labrador.
Qualzucht-Rasse Mops
Weil Menschen ihn ohne Nase süßer finden, muss dieser Mops lebenslang leiden. ©Rawpixel/iStock

Beispiele für Qualzucht bei der Katze

Qualzuchten werden vor allem im Zusammenhang mit Hunden diskutiert. Doch auch unter Katzen sind Qualzuchten keine Seltenheit. Zwar sind Hunde häufiger davon betroffen, doch auch Katzen leiden unter solchen bewussten Qualzuchtmerkmalen. Die folgenden Beispiele gibt es bei Katzen.

Faltohren

Hier und da sind Faltohrkatzen zurzeit „der letzte Schrei“. Genauer gesagt handelt es sich hier um die Schottische Faltohrkatze, die nach vorn geknickte oder hängende Ohren hat, die sog. Faltohren. Diese werden durch eine genetisch bedingte Veränderung der Knochen und Knorpel hervorgerufen, der sogenannten Osteochondrodysplasie (OCD).
Gefaltete Ohrmuscheln können sich schnell entzünden und mit Parasiten befallen werden, wenn hier nicht eine sehr sorgfältige Pflege erfolgt.

Das Problem der Osteochondrodysplasie ist jedoch, dass sie nicht nur die Knorpel an den Ohren, sondern das komplette Knorpelgewebe im Körper der Katzen betrifft. Daher leiden viele Faltohrkatzen bereits in jungen Jahren unter schmerzhaften Knochendeformationen und Skelettmissbildungen.

Die Katzen erlahmen, bewegen sich nur noch ungern und weisen einen steifen Gang, einen steifen Schwanz und geschwollene Gelenke auf. Berührungen sind schmerzhaft für die Katzen. Laut tierärztlichen Studien sind alle Schottischen Faltohrkatzen von OCD betroffen, einige können aber asymptomatisch sein, also keine Symptome zeigen.
Scottish Fold
Faltohren bei Katzen als Qualzucht
Die Faltohrkatze hat nicht nur mit den Ohren Probleme. ©Volchanskiy/iStock

Schwanzlosigkeit oder Kurzschwänzigkeit

Nicht nur Hunde, sondern auch Katzen können unter der Schwanzlosigkeit bzw. Kurzschwänzigkeit leiden. Auch hier die Schwanzwirbelsäule stark verkürzt.
Die Folgen für Katzen sind bei der Schwanzlosigkeit und Kurzschwänzigkeit ähnlich wie bei den Hunden: Skelettmissbildungen, Wirbelmissbildungen, neurologische Störungen der hinteren Körperhälfte, Lähmungen sowie Stuhl- und Harninkontinenz.

Katzen sind darüber hinaus noch auf eine andere Weise besonders von ihrem Schwanz abhängig: Er hilft ihnen, beim Laufen, Springen und Klettern das Gleichgewicht zu bewahren. Außerdem kommunizieren Katzen viel mit ihrem Schwanz. Fehlt er qualzuchtbedingt, ist das eine enorme Einschränkung für das Tier.
  • Manx
  • Cymric
  • Japanese Bobtail
  • Kurilen Bobtail
Kurzschwänzigkeit bei Katzen als Qualzuchtmerkmal
Ein kurzer oder ganz fehlender Schwanz ist bei der Manx-Katze häufig und wird durch Qualzucht sogar gefördert. ©slowmotiongli/iStock

Weiße Katzen

Weiße Katzen sind schön anzusehen. Doch ihr helles Fell bringt einige Komplikationen mit sich. Dabei ist vor allem das strahlend weiße Fell zu nennen, das durch das sogenannte W-Gen hervorgerufen wird. Aber auch andere Variationen und Abstufungen sind möglich. Oft verbunden ist das weiße Fell mit Blauäugigkeit.
Besonders Katzen mit einem strahlend weißen Fell durch das W-Gen sind anfällig für Schwerhörigkeit und Gehörlosigkeit. Etwa 43 % der reinerbigen und 27 % der mischerbigen Katzen sind davon betroffen. Dies schränkt sie stark in ihrer Kommunikation ein, da Katzen auch über Laute kommunizieren und sich akustisch orientieren. Zusätzlich sind weiße Katzen stärker anfällig für Hauttumore.
  • Türkisch Angora
  • Perser
  • Siam
  • Russian White
  • Türkisch Van
Weiße Katzen können Qualzuchten sein
Weiße Katzen sind bildhübsch, bringen aber reichlich Probleme mit. ©Anna Volgina/iStock

Hybridkatzen

Ganz wie bei den Hybridhunden kommen auch Hybridkatzen immer mehr in Mode. Wilde Katzenarten werden mit domestizierten Hauskatzen gekreuzt. Typische Beispiele sind die Savannahkatze, eine Kreuzung zwischen Hauskatze und Serval, und die Bengalkatze, eine Kreuzung zwischen Hauskatze und Leopardkatze.
Die körperlich kleinere und schwächere Hauskatze leidet meistens bereits bei der Zwangspaarung mit der Wildkatze. Stress, Schmerzen und Verletzungen sind häufig. Durch das typische Sexualverhalten unter Katzen kann die kleinere Hauskatze dabei auch aus Versehen getötet werden.

Außerdem können die Katzenwelpen missgebildet auf die Welt kommen sowie Früh-, Fehl- und Totgeburten auslösen. Weiterhin sind Hybridtiere allgemein sehr anspruchsvoll in der Haltung und anfälliger für Erbkrankheiten.
Die Savannah-Katze gilt als Qualzucht
Die Savannahkatze ist eine Hybridkatze. ©Pierre Aden/iStock

Weitere Qualzuchtmerkmale bei Katzen

Ähnlich wie bei den Hunden können Katzen zudem unter Qualzuchtmerkmalen wie

  • Brachyzephalie (Kurzköpfigkeit),
  • Entropium (Einwärtsdrehen des Augenlieds),
  • gestörtes Fellwachstum und
  • Chondrodysplasie (Kleinwüchsigkeit)

leiden. Die Symptome äußern sich in den meisten Fällen genauso wie bei anderen Tieren mit diesen Erkrankungen.

Anurie bzw. Schwanzlosigkeit bei einer Manx-Katze
Ohne Schwanz können Katzen schlechter kommunizieren und balancieren. ©Aletakae/iStock

Was fordert der Deutsche Tierschutzbund?

Vor allem Organisationen und Vereine aus dem Tierschutz kritisieren, dass das Tierschutzgesetz zu lasch ist. So betont der Deutsche Tierschutzbund, dass die Formulierungen in dem Gesetz zu schwammig seien. Als Folge hätten Behörden Schwierigkeiten, Qualzuchten bei Tieren tatsächlich auch rechtlich zu verfolgen und zu bekämpfen.

Der Tierschutzbund fordert deswegen eine rechtlich verbindliche Verordnung, die eindeutig definiert, was Qualzucht ist. Diese Verordnung solle nicht nur die Zucht an sich betreffen, sondern auch die Haltung und den Verkauf von Qualzuchten, egal um welche Tiere es sich handelt.

Weiterhin sollen Behörden und Justiz bereits jetzt härter durchgreifen und konkrete Verbote aussprechen. Die Grundlagen, die durch das Tierschutzgesetz bereits existieren, müssen stärker ausgeschöpft und angewendet werden, um tatsächlichen Tierschutz zu gewährleisten.

Katze mit kurzer Nase
Diese Katze kann nur niedlich finden, wer das Tierleid dahinter ausblendet. ©Akifyeva Svetlana/iStock

Was kannst Du gegen Qualzucht tun?

Du fragst Dich jetzt, was Du gegen Qualzucht tun kannst? Darfst Du Dir jetzt auf keinen Fall mehr einen Hund oder eine Katze der oben genannten Rassen zulegen? Natürlich nicht. Zunächst einmal gibt es beim Tierschutz und z. B. in Tierheimen unzählige Hunde und Katzen aller Rassen, die dringend ein Zuhause suchen – Qualzucht hin oder her. Ihnen kannst Du ein liebevolles Zuhause bieten, angepasst an ihre Bedürfnisse.

Auch vor einem Welpen von einem Züchter musst Du jetzt nicht zurückschrecken. Hier ist es aber extrem wichtig, dass Du ausschließlich zu einem Züchter gehst, der strengen und hohen Zuchtstandards folgt. Solche Züchter sind beispielsweise oft dem VDH angeschlossen. Hier gelten für die meisten Rassen strenge Regeln, die auch Merkmale der Qualzucht betreffen.

Informiere Dich genau

Wichtig ist aber, dass Du Dich selbst davor erst einmal über die für Dich interessante Rasse informierst. Suche gezielt nach Qualzuchtmerkmalen der Rasse, beispielsweise im Internet, und lies Dir Grundkenntnisse darüber an. Auch in unseren zahlreichen Rasseporträts liest Du, welche Tiere wie betroffen sind. So weißt Du bereits Bescheid, noch bevor Du einen Züchter besuchst und kannst dort auch gezielt das Thema ansprechen.

Was Du auf keinen Fall tun solltest, ist, Welpen aus dubiosen Angeboten im Internet oder aus dem Ausland zu kaufen. Besonders hier ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es sich um eine Qualzucht handelt. Beispiele für Hündinnen und Katzen, die als lebende Gebärmaschinen herhalten müssen und ansonsten im Zwinger eingesperrt sind, gibt es leider viel zu viele.

Was Du außerdem auch für den Tierschutz tun könntest: Schaffe mehr Bewusstsein für Qualzuchten. Bekannte oder Freunde posten fröhlich ein Foto von ihrem Mops in den sozialen Medien? Kläre hier doch einmal freundlich (!) auf, ob ihnen bewusst ist, dass ihr Liebling als Qualzucht gilt. Denn besonders der öffentliche Auftritt von Hunden, Katzen und anderen Tieren im Fernsehen, in Filmen oder eben sozialen Medien sorgen oft für einen Hype einer bestimmten Rasse. Leider ist das nicht immer zum Vorteil für das Tier, wie man deutlich festgestellt hat.